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Looking for RZM Herstellungsvorschriften

Article about: Hallo! I am totally new to this forum and this is my very first thread and a kind request. Currently I am working on a short study about the SS Totenkopf for my university in germany. I try

  1. #51

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    Name:  9780901621146-us.jpg
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Name:	IMG_0419.jpg 
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Size:	210.5 KB 
ID:	992198In the joy that is research, Mollo speaks more or less to this issue in vol. VII of his fine series, which was only published about four decades ago.

    Do notice the title and date of this document. God knows how the process worked eight or ten years earlier.

    The take away here being that, more or less, 12 months before the end of the III. Reich and of the SS, the procedure
    to create and implement insignia was finally formalized in the high command of the SS.....

    How are we supposed to make sense of the years from 1925 until 1944, other than in Wim's books and
    the few hundred documents excerpted here in a random manner?
    Last edited by Friedrich-Berthold; 08-25-2016 at 01:08 PM.
    damit, basta.

  2. # ADS
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  3. #52

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    Quote by Wilhelm Saris View Post
    It might be of interest to know what Himmler thought about the SS uniform
    when the war was over. In a eight page letter his thoughts and opinions were
    laid down (date pitly unknown). Nowhere he mentioned the death's head for
    the visored cap or such.

    [...]

    He intended to change the shoulder-straps/boards as to be the SS independent
    in contrary to the army, or fall back for the one strap as worn in the earlier days;
    his idea about the field-uniform or what about the police. Most of it all had to
    do with shoulder-straps and boards. He had specific thoughts about the worn
    belt-buckle. This surely would be replaced by a simple belt .
    The circular belt buckle worn by SS officers was particularly unsuitable for field wear, as it tended to open when the wearer bent forward. (There were even suggestions from the troops to replace it by a more suitable model, but this was declined, apparently not least because Hitler had a hand in its original design.)

    This is the reason why many W-SS officers preferred to wear the army officers' belt with its open double-claw buckle, while others wore the enlisted ranks' belt with its rectangular buckle.

    Anyway, the aforementioned letter - I presume it is the same one as referred to in vol. VI of Mollo - sounds like a very interesting read.

    I hope this is not an unreasonable request, but is there any chance for us to see the whole document?

  4. #53

    Default

    Name:  416IaJwmljL.jpg
Views: 144
Size:  26.6 KBA source I have always found very useful this work from the 1960s, where much of Himmler's correspondence is excerpted.

    It gives a clear insight into the ways of the bureaucracy which he did so much to form.

    The material captures this upside down world which is interpreted by both Max Weber and more so by Hannah Arendt.

    There are copies of it easily had.
    damit, basta.

  5. #54

    Default

    Quote by HPL2008 View Post
    The circular belt buckle worn by SS officers was particularly unsuitable for field wear, as it tended to open when the wearer bent forward.
    I hope this is not an unreasonable request, but is there any chance for us to see the whole document?
    In the letter from Himmler he notes the buckles for leaders, as well as men. He wanted to get rid of them.
    I was told by various SS-men, during interviews, they did not like the rectangular buckle either. Have no
    proof of that!

    About the document, I will see what I can do. It was planned for an article, but I cannot find any suitable
    photographs or eventual designs for the planned insignia (have no idea if something was ever worked out
    by any of the well-known artists as Jantke). I will consider.
    "Wir sollen auch unser Leben für die Brüder lassen" (1.Joh.3.16):
    zum Gedächtnis Wilhelm Schenk. Er starb fürs Vaterland am 13. Juni 1916

  6. #55

    Default

    Since our person in West Germany asks, and if I were king for a day, I would look in these files for the things of interest here.



    SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (Bestand)
    Bestandssignatur:
    BArch, NS 3
    Kontext:
    Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Norddeutscher Bund und Deutsches Reich (1867/1871-1945) >> Inneres, Gesundheit, Polizei und SS, Volkstum
    Bestandslaufzeit:
    1934-1945
    Bestandsbeschreibung:
    Geschichte des Bestandsbildners:
    Die SS war das prägende und wirkungsvollste Terror- und Vernichtungsinstrument des nationalsozialistischen Staates. Dies setzte vor allem die vollständige Vereinnahmung der staatlich-polizeilichen Exekutive durch die SS und die stufenweise Herauslösung der Polizeigewalt aus der Normenkontrolle der Judikative voraus. Doch beschränkte sich die Expansion der SS nicht auf den polizeilichen Sektor.
    Niemand konnte im März 1923 anläßlich der Gründung der ersten "Stabswache" und damit der frühesten Vorläuferorganisation der SS durch Hitler die einzigartige Entwicklung der seit dem Frühjahr 1925 so bezeichneten Schutzstaffel(n) der NSDAP (SS) vorausahnen. Als Personen- und Versammlungsschutztrupp aufgestellt, auch mit Abonnentenwerbung und Plakatklebeaktionen zugunsten der NSDAP und ihrer Organe befaßt und im November 1930 als innerer Polizeidienst der Partei aufgewertet, konnte sich die SS seit 1933/34 schrittweise nicht nur polizeiliche, sondern mit der Waffen-SS und deren Vorläufern auch militärische Exekutivbefugnisse des Staates aneignen. Die SS, spätestens nach den Ereignissen des 30. Juni und des 1. und 2. Juli 1934 endgültig aus dem Schatten der Sturmabteilung(en) der NSDAP (SA) herausgetreten, gestaltete, perfektionierte und beherrschte das groß angelegte System der Konzentrations- und Vernichtungslager; sie plante und vollstreckte den rassenideologisch begründeten Völkermord an Juden, an Sinti und Roma und anderen stigmatisierten Bevölkerungsgruppen, die sich im deutschen Einfluss- und Herrschaftsbereich befanden. In der nationalsozialistischen Rassen-, Volkstums- und Siedlungspolitik, die in der SS bereits seit Januar 1932 mit den Vorläufern des erst seit Januar 1935 so bezeichneten Rasse- und Siedlungshauptamtes-SS eine institutionelle Grundlage gefunden hatte, war der Reichsführer-SS (RFSS) seit Oktober 1939 in seiner neuen Funktion als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (RKFV) der ausschlaggebende Machtfaktor. Die deutsche Kultur- und Wissenschaftspolitik wurde von der SS seit den dreißiger Jahren vornehmlich mit Hilfe der "Forschungs- und Lehrgemeinschaft 'Das Ahnenerbe' e.V." infiltriert.
    Die SS, deren Gesamtpersonalbestand sich bis Ende Juni 1944 auf nahezu 800.000 erhöhte, diente nicht nur als zuverlässiges Machtinstrument des Führerwillens und als bedeutsamstes Trägerorgan der nationalsozialistischen Ideologie; sie konnte zudem im genuinen Herrschaftsinteresse Hitlers als vielseitig verwendbare Alternativinstanz erforderlichenfalls Anpassungsdruck auf konkurrierende Kompetenzträger des zivilen und des militärischen Sektors ausüben.
    Vor dem hier skizzierten Hintergrund wird deutlich: Die Wirtschaft konnte im Gesamtgefüge der von der SS beanspruchten und besetzten Zuständigkeitsbereiche nur ein Ausschnitt sein, dem gleichwohl in der zweiten Kriegshälfte besondere Bedeutung beizumessen war.
    Der wirtschaftlichen Betätigung der SS lagen verschiedenartige, teils miteinander unvereinbare Motive zugrunde. Der Reichsführer-SS und die Vertreter der SS-Wirtschaft und der SS-Verwaltung verknüpften die wirtschaftliche Funktion der SS uneinheitlich, beeinflusst auch von jeweils vorherrschenden Opportunitätserwägungen, mit Zielsetzungen der ideologischen Selbstdarstellung jenseits aller Gewinnerwartungen, mit Selbstversorgungs- und Autarkieplanungen wie auch mit zügellosen wirtschaftlichen Ausdehnungstendenzen. Parallel dazu gewann seit 1940/41 auch für die SS die Perspektive einer künftigen Friedenswirtschaft an Bedeutung; hier galt es, der SS gegenüber anderen Interessenten eine günstige Ausgangsposition zu sichern.
    In den ersten Jahren des nationalsozialistischen Staates standen die wirtschaftlichen Aktivitäten der SS nicht vorrangig unter der Prämisse der Umsatz- und Gewinnmaximierung; wichtiger war in dieser ökonomischen Aufbauphase vielmehr die einführende Auseinandersetzung der Parteigliederung mit betriebswirtschaftlichen und handelsrechtlichen Rahmenregularien. Über die im Wesentlichen lagerintern ausgerichteten Werkstattbetriebe in den Konzentrationslagern hinaus gründete bzw. übernahm die SS seit 1934 Gesellschaften, Vereine und Stiftungen ideologisch-repräsentativer und kulturell-historischer Prägung.
    Im Spannungsfeld aufrüstungsbedingter gesamtwirtschaftlicher Bedarfsdeckungslücken, vor allem auf dem Gebiet des so genannten "Arbeitseinsatzes", und der aus ideologischen Gründen gleichwohl vorangetriebenen städtebaulichen Großprojekte des nationalsozialisti‧schen Regimes gelangte die SS-Wirtschaft mit der Gründung der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH (DESt) im April 1938 in ein neues Entwicklungsstadium. Mit der Errichtung der Deutschen Ausrüstungswerke GmbH (DAW) im Mai 1939 waren, neben weiteren Gesellschaften, die beiden vorerst größten und bedeutendsten SS-Unternehmen im Zeichen der forcierten wirtschaftlichen und politischen Kriegsvorbereitung des Regimes entstanden.
    Sowohl die mit dem Kriegsbeginn eröffneten umfassenden wirtschaftlichen und machtpolitischen Ausbaumöglichkeiten der SS als auch die ungünstige und reformbedürftige ökonomische Anfangsentwicklung der wichtigsten SS-Gesellschaften führten im Juli 1940 zur Gründung der Deutschen Wirtschaftsbetriebe GmbH (DWB). Die in dieser Holding-Gesellschaft zusammengeführten SS-Unternehmen bildeten Tochtergesellschaften des nun errichteten SS-Konzerns. Zahlreiche Gesellschaften unterschiedlicher Wirtschaftszweige mit einer Vielzahl von Betrieben waren im DWB-Konzern formiert. Ferner wurden eine Reihe weiterer Gesellschaften, Stiftungen, Vereine, Vermögen ohne eigene Rechtspersönlichkeit etc. unter der Dienstaufsicht des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes verwaltet.
    Nach dem Ende der "Blitzkriege" und unter dem Eindruck der militärischen Winterkrise 1941/42 waren das nationalsozialistische Regime und seine kriegswirtschaftlichen Steuerungsorgane, unterstützt von staats- und privatwirtschaftlichen Interessenvertretern, bereit zur Einbeziehung des Wirtschaftspotentials der SS in den Prozeß der Rüstungsproduktion. Dementsprechend betrieb die Wirtschaftsverwaltung der SS seit 1942 die Umstellung der SS-Unternehmen auf Rüstungsprojekte. Im Gesamtrahmen der SS-Wirtschaft war eine bedeutsame Steigerung der Umsätze seit 1941 und der Gewinne seit 1943 zu verzeichnen.
    Die von der SS-Führung umfassend angestrebte eigenständige Verankerung der SS in der industriellen Produktionsplanung und Rüstungsendfertigung scheiterte außer an spezifischen Defiziten der SS-Wirtschaft vor allem am Widerstand der staatlichen und der privaten Rüstungsindustrie, militärischer Kriegswirtschaftsinstanzen, des Reichsministeriums für Rüstung und Kriegsproduktion und der von ihm gelenkten staatlich-industriellen Rüstungsorganisation. Im Gesamtmaßstab der deutschen Rüstungsendfertigung waren dem selbständigen Beitrag der SS-eigenen Betriebe enge Grenzen gesetzt; die Funktion der SS in der Rüstungswirtschaft bestand vorrangig in der Bereitstellung zusätzlicher Arbeitskräfte für die SS-externe Rüstungsindustrie. Gleichwohl sicherte die SS ihre kriegswirtschaftliche Position, indem sie die alleinige Kontrolle über den wichtigsten ihr verfügbaren Produktionsfaktor, das Arbeitskräftepotential der KZ-Häftlinge, behauptete; ferner stellte die SS sicher, dass die in SS-externen Rüstungsbetrieben geleistete Häftlingszwangsarbeit den von der SS geprägten Bedingungen des KZ-Wesens angepasst wurde.
    Das wirklichkeitsferne Ziel eines Führungsmonopols der SS-Wirtschaft und des SS-WVHA im Gesamtgefüge der deutschen Kriegswirtschaft wurde vom nationalsozialistischen Regime nicht verfolgt. Sein Interesse richtete sich vielmehr auf die möglichst weitgehende rüstungswirtschaftliche Ausbeutung der Häftlingszwangsarbeit und auf den von der SS-Wirtschaft als Alternativpotential ausgehenden politischen und ökonomischen Anpassungsdruck auf die staatlich-industriellen Lenkungsorgane der Kriegswirtschaft und auf industrielle Praktiker.
    Die wirtschaftliche Betätigung der SS war unmittelbar mit dem Verwaltungshandeln der Organisation verschränkt. Grundsätzlich zu bedenken ist, daß die SS als Gliederung der NSDAP ohne eigene Rechtspersönlichkeit und eigenes Vermögen war.[2] Die institutionelle und organisatorische Frühentwicklung der Spitzengliederung der SS und insbesondere der SS-Verwaltung gestaltete sich außerordentlich kompliziert. Im April 1934 erklärte Himmler hierzu rückblickend:
    "In den ersten Jahren der Aufstellung der SS erschöpften sich die Verwaltungsarbeiten in der Aufbringung von Geldern und ihrem sachgemäßen Nachweis, der, der beruflichen Tätigkeit des 'Geldverwalters' entsprechend, von diesem meist in der verschiedenartigsten Form erfolgte. [...]
    Mit dem Wachsen der SS und ihrer organisatorischen Durchbildung ergaben sich jedoch weitere und sehr wichtige Aufgaben durch Erweiterung der Einnahmequellen, Erhöhung der einfließenden Mittel und durch erhebliche vermehrte Beschaffung von Bekleidung und Ausrüstung.
    Durch die Verwaltung dieser Mittel und durch den Nachweis der Beschaffungen hat sich das Aufgabengebiet des Geldverwalters derartig ausgeweitet, daß von einer nur 'Geld'-verwaltung nicht mehr gesprochen werden kann, sondern von einer 'Verwaltung' schlechthin."[3]
    Der Ausbau der Geldverwaltung zu einem allgemeinen Verwaltungswesen der SS erfolgte im Sommer 1932. Von dieser Zeit an ist das zunächst von Gerhard Schneider geleitete Verwaltungsamt-SS (VA-SS) dokumentarisch nachweisbar bis zur Neugliederung in der Reichsführung-SS im Januar 1935, durch die das 1932 errichtete SS-Amt (SS-A) in das SS-Hauptamt (SS-HA) umgewandet wurde; eines der Ämter des SS-Hauptamtes war das Verwaltungsamt-SS (IV).
    Oswald Pohl, seit dem 01. Febr. 1934 als Nachfolger des SS-Oberführers Gerhard Schneider Chef der Abteilung IV bzw. Chef des Verwaltungsamtes-SS, nahm mit Wirkung vom 01. Juni 1935 zusätzlich die Funktionen des Verwaltungschefs der SS im "persönlichen Stabe" des Reichsführers-SS[4] und des Reichskassenverwalters der SS wahr. Innerhalb der SS war ausschließlich der Verwaltungschef der SS, die oberste SS-Verwaltungsdienststelle, zu Verhandlungen mit der Reichsleitung der NSDAP und mit staatlichen Instanzen in Haushalts- und damit verbundenen Verwaltungsangelegenheiten befugt. Als Reichskassenverwalter der SS war Pohl Bevollmächtigter und Beauftragter des Reichsschatzmeisters der NSDAP (RSM) und führte den etat- und verwaltungsmäßigen Geschäftsverkehr mit der Dienststelle des Reichsschatzmeisters.
    Angesichts der wirtschaftlichen und exekutiven Expansion der SS wurde mit Wirkung vom 20. Apr. 1939 die Dienststelle des Verwaltungschefs der SS zum Hauptamt in der Reichsführung-SS aufgewertet, das die Bezeichnung "Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft" (HAVW) erhielt. Der Chef des Hauptamtes Verwaltung und Wirtschaft in der Reichsführung-SS, Pohl, war zugleich Chef des Hauptamtes Haushalt und Bauten (HAHB) des Reichsführers-SS und Chefs der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern (RFSSuCHdDtPol im RMdI). Die Bildung des HAVW war ein Jahr nach der Gründung der DESt GmbH, des ersten großen SS-Unternehmens, ein Anzeichen für die gewachsene Bedeutung und das untrennbare Wechselverhältnis der SS-Wirtschaft und der SS-Verwaltung.
    Als Chef des HAVW und nach wie vor als Reichskassenverwalter der SS agierte Pohl auf der parteiamtlichen Ebene und war insoweit für die von der Partei zur Unterhaltung der Allgemeinen SS geleisteten Aufwendungen zuständig. Demgegenüber hatte das HAHB formell ministeriellen Charakter, dem die am 20. Apr. 1939 erfolgte Ernennung Pohls zum Ministerialdirektor beim RFSSuChdDtPol im RMdI, Hauptamt Haushalt und Bauten, entsprach; diese manipulative Konstruktion eröffnete der SS-Verwaltung den unmittelbaren Zugang zu den für die Reichsmittelfinanzierung der SS-Verfügungstruppe (SS-VT), der SS-Totenkopfverbände (SS-TV) und der Konzentrationslager verantwortlichen staatlichen Zuweisungsstellen, sicherte Pohl die direkte Verfügungsgewalt über die zugehenden Reichsaufwendungen und ermöglichte eine fiktive Differenzierung von parteibezogener und staatlicher Finanzverwaltung der SS.
    Mit Wirkung vom 01. Sept. 1941 wurde das HAVW reorganisiert und in acht römisch bezifferte "W"-Ämter untergliedert. Anders als die zuvor fachlich unkoordinierte Ämter- und Hauptabteilungsstruktur des HAVW folgte das nun errichtete System der W-Ämter mit den in ihnen vertretenen SS-Unternehmungen einem wirtschaftlichen Branchenmodell. Der Stab des HAVW-Chefs Pohl bestand aus den Fachabteilungen Rechtswesen (R), Wirtschaftsprüfung (W) und Betriebsinspektion (J).
    Am 01. Febr. 1942 wurden die Aufgaben und Befugnisse der mit Wirkung vom 31. Jan. 1942 aufgelösten Amtsstellen Hauptamt Haushalt und Bauten, Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft und Verwaltungsamt-SS gebündelt und vom nun errichteten SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt übernommen. Das SS-WVHA blieb bis zum Ende des Krieges die zentrale Lenkungsbehörde der SS-Wirtschaft und der SS-Verwaltung. Als Chef des SS-WVHA wurde Pohl am 20. Apr. 1942 zum SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS ernannt.
    Das SS-WVHA war seit März 1942 in die fünf Amtsgruppen A (Truppenverwaltung), B (Truppenwirtschaft), C (Bauwesen), D (Konzentrationslager) und W (Wirtschaftliche Unternehmungen) untergliedert. Die Amtsgruppe W bestand analog zu der am 01. Sept. 1941 eingeführten Gliederung des vormaligen HAVW aus den fachlich nach Wirtschaftsbranchen ausgerichteten Ämtern W I bis W VIII mit den in ihnen verwalteten wirtschaftlichen Unternehmungen der SS.
    Innerhalb des SS-WVHA dienten der Chef (des Stabes) W und der ihm unterstellte Stab W der Überwachung, Koordination und Beratung der W-Ämter und der W-Unternehmen; der Chef W war wirtschaftlicher Berater des Hauptamtschefs Pohl, den er in seinen Führungsaufgaben unterstützte. Die W-Amtschefs hatten ständig Verbindung zum Chef W zu halten. Der Stab W war sowohl organisatorisch als auch personell mit der DWB GmbH verflochten.
    Die nach außen im HAHB / HAVW verankerte institutionelle Trennung von parteimäßiger und staatlicher Finanzverwaltung der SS wurde mit der Bildung des SS-WVHA wieder aufgehoben; in ihm erfolgte die Bearbeitung aller Wirtschafts-, Verwaltungs- und Bauangelegenheiten des Reichsführers-SS gleichermaßen in ministerieller Instanz.
    Eine institutionelle Sonderstellung nahm die Amtsgruppe W ein. Die zum Personal der Amtsgruppe W gehörenden SS-Amtsträger waren für die einzelnen Gesellschaften - parallel zu ihrer SS-amtlichen Unterstellung unter Pohl als SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS und als Chef des SS-WVHA - formell SS-extern im nicht-behördlichen und nicht partei- bzw. SS-amtlichen Angestellten- oder Bevollmächtigtenverhältnis nach Handelsrecht tätig; die W-Ämter befanden sich dezentral an vom SS-WVHA räumlich getrennten Standorten.
    Die DWB GmbH wurde wie die meisten SS-Unternehmen von SS-Angehörigen, die handelsrechtlich als Privatpersonen mit Zivilberufen auftraten, bzw. über handelsrechtlich verankerte SS-Gesellschaften auf der Grundlage eines im Einzelnen noch darzustellenden Treuhandverhältnisses gegründet, erworben oder übernommen; diese natürlichen und juristischen Personen zeichneten für die eingebrachten Stammkapitaleinlagen. Die tatsächliche Herkunft der Einzelanteile des stufenweise erhöhten Eigenkapitals der DWB GmbH ist allerdings nicht rechtsgültig niedergelegt worden, so daß entsprechende Mehrheitsverhältnisse sowohl des Reiches als auch der NSDAP konstruierbar sind.
    Pohl führte den DWB-Konzern als alleiniger Gesellschafter und alleinvertretungsberechtigter erster Geschäftsführer treuhänderisch für den Reichsführer-SS. Im Oktober 1943 offerierte Pohl notariell die Abtretung der von ihm lediglich als Treuhänder vertretenen Eigenkapitalanteile der DWB GmbH und der Ostindustrie GmbH (Osti) an den RFSS oder einen von diesem zu benennenden Dritten. Das bei der Führung der SS-Wirtschaft ersichtliche inoffizielle, freiwillig eingegangene Treuhandverhältnis trug dem Umstand Rechnung, daß die SS als NSDAP-Gliederung und der RFSS keine eigenständigen Rechtspersönlichkeiten und Vermögensträger sein konnten und daß zudem nach deutschem Handelsrecht treuhänderische Gesellschaftsgründungen und Kapitaleinlagen nicht möglich waren.
    Angesichts dieser normativen Rechtsverhältnisse formierte die SS-Führung den bedeutenden Anteil der SS-Wirtschaft nicht als Reichs- oder als Parteigesellschaft, sondern in Gestalt eines privatwirtschaftlichen Konzerns. Dabei bot sich die Chance zur Verwirklichung einer übergeordneten wirtschaftlichen Zielvorstellung der SS: Die privatwirtschaftliche Orientierung und die rechtliche Verankerung des DWB-Konzerns und damit des wichtigsten Teils der SS-Wirtschaft außerhalb des unmittelbaren institutionellen Rahmens der SS waren grundlegende Voraussetzungen zur langfristigen wirtschaftlichen Verselbständigung der SS und zur Abschirmung der SS-Wirtschaft gegen mögliche Einflußversuche und Kontrollansprüche des Staates und der Partei wie auch privatwirtschaftlicher Interessenvertreter. Die Finanzbehörden des Reiches und der Reichsschatzmeister der NSDAP haben den privatwirtschaftlichen Charakter des handelsrechtlich verfaßten DWB-Konzerns anerkannt und auf vermögensrechtliche Ansprüche gegen die DWB GmbH, die sich beispielsweise auf die bei den Eigenkapitaleinzahlungen und -erhöhungen der Gesellschaft eingebrachten Reichs- und Parteimittel hätten beziehen können, verzichtet.
    -----------------------------------------
    [1] Die Ausführungen in Kapitel 1 der Vorbemerkung folgen weitgehend der Darstellung in: Walter Naasner: SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung. "Das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt und die unter seiner Dienstaufsicht stehenden wirtschaftlichen Unternehmungen" und weitere Dokumente, Düsseldorf 1998, S. 3-9.
    [2] In diesem Kontext ist darauf hinzuweisen, dass die in § 1 Abs. 2 des Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 01. Dez. 1933, RGBl I S. 1016, enthaltene Bestimmung über den Status der NSDAP als Körperschaft des öffentlichen Rechts durch den § 4 des Erlasses des Führers über die Rechtsstellung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vom 12. Dez. 1942, RGBl I S. 734, aufgehoben wurde. S. dazu die in: Walter Naasner, SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung (s. dazu o., S. IX, Fußnote 1), S. 289-292, edierten Dokumente (BArch NS 3/1072, fol. 2, 4-6).
    [3] RFSS-Erlaß vom 16. Apr. 1934 betr. "Verwaltungsführer". BArch NS 31/361, fol. 50 (einschl. Rückseite).
    [4] S. dazu den RFSS-Befehl vom 01. Juni 1935. BArch NS 3/555, fol. 31; ediert in: Walter Naasner, SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung (s. dazu o., S. IX, Fußnote 1), S. 209


    Bestandsbeschreibung:
    Bestandsgeschichte
    Welchen Weg die Unterlagen des SS-WVHA gegen Kriegsende und in der frühen Nachkriegszeit nahmen, läßt sich heute nicht mehr bzw. nur sehr unvollständig nachzeichnen.[5]
    Angesichts dieser Erkenntnisdefizite müssen als frühe Nachkriegsnachweise schon die erst im Februar/März 1952 datierten Formblätter "List of Contents for Shipment of Records" eingestuft werden, in denen von US-Stellen beschlagnahmte Unterlagen des SS-WVHA erfaßt sind; darin ist in der Rubrik "From" jeweils das Berlin Document Center (7771 Document Center, Berlin) ausgewiesen, während die Rubrik "To" jeweils offen blieb.
    Die heute im Bundesarchiv-Bestand SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (NS 3) formierten Unterlagen gelangten in ihrem wesentlichen Umfang als Bestandteile zahlreicher Rückführungen beschlagnahmten Schriftguts aus dem Gewahrsam unterschiedlicher US-Stellen seit 1958 ins Bundesarchiv. In diesem Zusammenhang erwähnenswert sind insbesondere jene Aktenrückführungen ins Bundesarchiv, die im Jahre 1962 sowohl aus den USA als auch aus dem Berlin Document Center (BDC) und im Jahre 1966 wiederum aus den USA erfolgten.
    Ein - allerdings nur geringer - Teil derjenigen Utnerlagen, die vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR archiviert wurden un ddie sich seiter der deutschen Wiedervereinigung im Bundesarchiv befinden, war der Provenienz folgend im Jahre 2004 nach einer erforderlichen archivischen Bearbeitung dem Bestand NS 3 zuzuführen. Ob und ggf. in welchem Umfang diese Materialien vormals von sowjetischer Seite beschlagnahmt und dann an DDR-Stellen abgegeben worden sind, lässt sich nicht zweifelsfrei klären.
    -------------------------------
    [5] S. zur allgemeinen Entwicklung den Beitrag Josef Henkes, Das Schicksal deutscher zeitgeschichtlicher Quellen in Kriegs- und Nachkriegszeit. Beschlagnahme - Rückführung - Verbleib, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 30/1982, S. 557-620.
    Archivische Bewertung und Bearbeitung
    Die Erschließungsarbeiten am Bundesarchiv-Bestand NS 3 erstreckten sich - mit naturgemäß unterschiedlicher Intensität und Prioritätensetzung - über einen Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten. Neben den Grenzen der Personalausstattung ist dies durch die Abhängigkeit vom sehr unregelmäßigen Rhythmus der Aktenrückführungen ins Bundesarchiv zu erklären. Hinzu kommen die nicht unkomplizierten Registraturverhältnisse im SS-WVHA, der außerordentlich mangelhafte Ordnungszustand der rückgeführten Akten und die Erfordernisse einer vergleichsweise tiefen archivischen Erschließung.
    Ein weiterer Grund für die lange Dauer der Erschließung ist darin zu sehen, dass die Archivalien des Bestandes NS 3 seit dessen Bildung im Bundesarchiv von vornherein und ohne zeitliche Einschränkung benutzbar waren und auch zu verschiedenartigen Zwecken benutzt worden sind, nicht nur im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsprojekte, sondern etwa auch von amtlicher Seite zur Vorbereitung von Kriegsverbrecherprozessen oder Prozessen wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen; eine auch nur vorübergehende Benutzungssperre, und sei es auch zur archivischen Bearbeitung, erschien weder historisch noch politisch vertretbar.
    Die Erschließungsarbeiten am Bestand NS 3 wurden in ihren Hauptteilen über lange Jahre geleistet von Frau Archivoberrätin Elisabeth Kinder und insbesondere Herrn Archivdirektor Dr. Josef Henke; daneben von Herrn Archivamtsrat Johannes Ganser, Herrn Leitenden Archivdirektor Wolf Buchmann und dem Bearbeiter.
    Bei der Klassifikation des im Bundesarchiv nach Provenienzprinzip gebildeten Bestandes NS 3 konnten - aufgrund von häufig festzustellenden Qualitätsdefiziten in allerdings nur begrenztem Ausmaß und mit höchst unterschiedlichem Nutzen und damit anders als etwa bei vielen Reichsministerialaktenbeständen - die in NS 3 nur sehr lückenhaft überlieferten Aktenpläne, Teilaktenpläne, Geschäftsverteilungspläne, Organigramme und andere Organisationsunterlagen und Registraturhilfsmittel verschiedener Einrichtungen und Organisationseinheiten des SS-WVHA und seiner Funktionsvorgänger verwendet werden.
    Ausgangspunkt für die Klassifikation des Bestandes NS 3 ist der am 03. März 1942 von Himmler genehmigte Organisationsplan des SS-WVHA[6]. Darin sind - soweit, wie es an dieser Stelle der Vorbemerkung zweckmäßig erscheint, der Blick auf die Ebenen lediglich der Amtsgruppen und Ämter beschränkt bleibt - ausgewiesen:
    Amtsgruppe A Truppenverwaltung
    - Amt A I Haushaltsamt
    - Amt A II Kassen- und Besoldungswesen
    - Amt A III Rechtsamt
    - Amt A IV Prüfungsamt
    - Amt A V Personalamt
    Amtsgruppe B Truppenwirtschaft
    - Amt B I Verpflegungswirtschaft
    - Amt B II Bekleidungswirtschaft
    - Amt B III Unterkunftswirtschaft
    - Amt B IV Rohstoffe und Beschaffungen
    Amtsgruppe C Bauwesen
    - Amt C I Allgemeine Bauaufgaben
    - Amt C II Sonderbauaufgaben
    - Amt C III Technische Fachgebiete
    - Amt C IV Künstlerische Fachgebiete
    - Amt C V Zentrale Bauinspektion
    - Amt C VI Bauunterhaltung und Betriebswirtschaft
    Amtsgruppe D Konzentrationslager
    - Amt D I Zentralamt
    - Amt D II Arbeitseinsatz der Häftlinge
    - Amt D III Sanitätswesen und Lagerhygiene
    - Amt D IV KL-Verwaltung
    Amtsgruppe W Wirtschaftliche Unternehmungen
    - Amt W I Steine und Erden (Reich)
    - Amt W II Steine und Erden (Ost)
    - Amt W III Ernährungsbetriebe
    - Amt W IV Holzbearbeitungsbetriebe
    - Amt W V Land-, Forst-, Fischwirtschaft
    - Amt W VI Textil- und Lederverwertung
    - Amt W VII Buch und Bild
    - Amt W VIII Sonderaufgaben
    Zum 01. Nov.1944 wurde zusätzlich das SS-WVHA-Amt W IX Forsten errichtet, auf das Teile der Zuständigkeiten, der Verwaltung und des Personals u.a. der Ämter W V und W VIII übergingen[7].
    Wesentliche Abweichungen von dem am 03. März 1942 genehmigten Organisationsplan des SS-WVHA weist die Klassifikation des Bestandes NS 3 vor allem im Bereich der Amtsgruppe W (Wirtschaftliche Unternehmungen) auf, in dem z.B. das beim Stab W und bei der Deutschen Wirtschaftsbetriebe GmbH entstandene Schriftgut integriert und die vom Stab W direkt geführten Unternehmungen wie auch die außerhalb der Ämter geführten Unternehmungen berücksichtigt sind. Insbesondere auf den Klassifikationsebenen der Amtsgruppe W ist den verschränkten Registraturverhältnissen Rechnung zu tragen; beispielsweise ist, soweit es sachlich erforderlich erscheint, den Ämtern W I bis W VIII und den Unternehmungen außerhalb der Ämter teilweise auch Schriftgut zuklassifiziert, das im Stab W und bei der DWB GmbH entstanden ist, teilweise gilt dies auch umgekehrt.
    Demgegenüber erklären sich klassifikationsbezogene Abweichungen vom o.a. Organisationsplan hinsichtlich der Amtsgruppen A (Truppenverwaltung), B (Truppenwirtschaft), C (Bauwesen) und D (Konzentrationslager) vornehmlich aus den mengenbezogenen Schwerpunkten der Überlieferung des Bestandes NS 3 (s. dazu u., Punkt 4 der Vorbemerkung).
    Ergänzt ist die Klassifikation um folgende Funktionsvorgänger des SS-WVHA:
    Verwaltungschef der SS
    Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft
    Hauptamt Haushalt und Bauten
    Unterlagen dieser Funktionsvorgänger finden sich naturgemäß auch auf den Klassifikationsbenen des SS-WVHA (v.a. bei fortgeführten Akten).
    Wird im Findbuch das Schriftgut durch die Klassifikation strukturiert, so sind Einzelnachweise durch ausführliche Indizes (Personenindex, Geographischer Index, Sachindex) gewährleistet.
    Angesichts des bedeutenden Quellenwertes der Unterlagen des Bestandes NS 3 wird eine "tiefe" Erschließung geboten: Zu den Verzeichnungseinheiten liegen neben den häufig ausführlich gestalteten Titeln in vielen Fällen mehrere und ihrerseits detaillierte Enthält-Vermerke vor.
    -------------------------------------------
    [6] BArch NS 3/555, fol. 8; ediert in: Walter Naasner, SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung (s. dazu o., S. IX, Fußnote 1), S. 242 f.
    [7] S. den Chefbefehl Nr. 49 des Chefs des SS-WVHA vom 25. Okt. 1944, BArch NS 3/1080, fol. 232; ediert in: Walter Naasner, SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung (s. dazu o., S. IX, Fußnote 1), S. 227.


    Inhaltliche Charakterisierung:
    Inhaltliche Charakterisierung
    Die Archivalien des Bestandes NS 3 sind ein unverzichtbarer Quellenfundus nicht nur für die Rekonstruktion der historischen Entwicklung von SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung. Darüber hinaus sind sie mit Nutzen auswertbar bei wissenschaftlichen Interpretationen zur Gesamtgeschichte der SS und des NS-Staates.
    Den quantitativen Schwerpunkt der Überlieferung des Bestandes NS 3 bilden eindeutig, um nicht zu sagen: einseitig die in der Amtsgruppe W (Wirtschaftliche Unternehmungen) des SS-WVHA klassifizierten Unterlagen; in den entsprechenden Klassifikationsebenen ist - wie o. ausgeführt wurde - auch das Schriftgut des Stabes W und der DWB GmbH integriert.
    Damit liegt für den Bereich der SS-Wirtschaft eine verglichen mit Überlieferungen zu anderen Gebieten der Geschichte der SS außergewöhnlich dichte und aussagefähige archivalische Quellengrundlage vor.
    Von großer Tragweite sind die erheblichen Lücken in den Überlieferungen der Amtsgruppen C (Bauwesen) und D (Konzentrationslager), die nur teilweise durch Ergänzungsüberlieferungen (s.u., Punkt 5 der Vorbemerkung) ausgeglichen werden können. Immerhin konnte eine umfangreiche, wenngleich unvollständige Häftlingskartei mit ca. 116.000 Häftlingskarten, die sich bis 1990 in der Zuständigkeit des Dokumentationszentrums der Staatlichen Archivverwaltung des Ministeriums des Innern der DDR befand, dem Bestand NS 3 zugeführt werden (NS 3/1577; Benutzung nur nach Beratung durch das zuständige Fachreferat).
    Im Vergleich mit den Amtsgruppen C und D können die bei den Amtsgruppen A (Truppenverwaltung) und B (Truppenwirtschaft) bestehenden ebenfalls ausgedehnten Überlieferungslücken angesichts der in diesen beiden Amtsgruppen bearbeiteten Zuständigkeitsgebiete von der historischen Forschung mit größerer Gelassenheit hingenommen werden.
    Inwieweit die hier umrissenen Überlieferungsverluste in der Kriegs- oder aber erst in der Nachkriegszeit, d.h. vor der Übergabe der entsprechenden Unterlagen ans Bundesarchiv, eingetreten sind, muss offen bleiben.
    Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass bedeutsame Aspekte etwa des Konzentrationslagerwesens und zur Geschichte der Konzentrationslager-Häftlinge nicht nur im Schriftgut der Amtsgruppe D, sondern darüber hinaus in Archivalien der übrigen Amtsgruppen, gerade auch der sehr gut überlieferten Amtsgruppe W belegt sind.


    Erschließungszustand:
    Online-Findbuch


    Zitierweise:
    BArch, NS 3/...
    Provenienz:
    SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (SS-WVHA), 1942-1945
    Umfang:
    2022 Aufbewahrungseinheiten
    Archivalientyp:
    Schriftgut
    Sprache der Unterlagen:
    deutsch
    Verwandte Bestände und Literatur:
    Fremde Archive:
    Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU)
    Im Hinblick auf einschlägige Ergänzungsüberlieferungen ist an den Nürnberger US-Nachfolgeprozess, Fall IV (Pohl-Prozess) zu denken; die in ihm verwendeten Unterlagen sind in unterschiedlicher Dichte und Form in zahlreichen Archiven überliefert, u.a. im Staatsarchiv Nürnberg und in den National Archives and Records Administration, Washington, DC.
    "Sonderarchiv", Moskau: Bestand Konzentrationslager und Kriegsgefangenenlager in Deutschland (Fond 1367), Bestand Zentralbauleitung der Waffen-SS und der Polizei in Auschwitz (Fond 502 [7310 Archivalieneinheiten]), Bestand Fürsorge- und Versorgungsdienststellen der Waffen-SS (Fond 1372)

    Verwandtes Archivgut im Bundesarchiv:
    Eine zentrale archivalische Überlieferung zur Geschichte der SS enthält zweifellos der Bundesarchiv-Bestand Persönlicher Stab Reichsführer-SS (NS 19), der bei einer Auswertung des Bestandes NS 3 routinemäßig gleichsam parallel benutzt werden sollte.
    Weitere vorrangige Ergänzungen zur Überlieferung des Bestandes NS 3 bilden die Unterlagen anderer SS-Einrichtungen, formiert vor allem in den Bundesarchiv-Beständen SS-Hauptamt (NS 31), SS-Führungshauptamt (NS 33), SS-Personalhauptamt (NS 34), Konzentrationslager (NS 4), Rasse- und Siedlungshauptamt-SS (NS 2), SS- und Polizeigerichtsbarkeit (NS 7), Ahnenerbe (NS 21) und Sonstige zentrale Dienststellen und Einrichtungen der SS (NS 48).
    In diesem Kontext sind von weitreichender Bedeutung u.a. auch die Bundesarchiv-Bestände Reichssicherheitshauptamt (R 58), Reichsministerium des Innern (R 1501), Hauptamt Ordnungspolizei (R 19), Polizeidienststellen in den eingegliederten und besetzten Gebieten (R 70), Reichsschatzmeister der NSDAP (NS 1), Reichsfinanzministerium (R 2), Reichswirtschaftsministerium (R 3101), Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion (R 3), Reichsorganisationsleiter der NSDAP (NS 22), Reichskanzlei (R 43), Reichsjustizministerium (R 3001) und Partei-Kanzlei der NSDAP (NS 6).
    Ferner zu berücksichtigen sind die weitgehend personenbezogenen Sammlungen des Bundesarchivs (ehem. Berlin Document Center), Berlin, und die heute im Bundesarchiv, Außenstelle Dahlwitz-Hoppegarten befindlichen Bestände des ehem. Dokumentationszentrums der Staatlichen Archivverwaltung des Ministeriums des Innern der DDR und der ehem. Hauptabteilung IX/11 (Hauptabteilung Untersuchungsorgan/Abteilung Aufklärung von Nazi- und Kriegsverbrechen) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS)
    Im Bundesarchiv, Außenstelle Ludwigsburg befinden sich u.a. Vorermittlungsakten zu Angehörigen des ehemaligen SS-WVHA.
    In bemerkenswerter Weise ergänzt werden die im Bestand NS 3 vorliegenden Archivalien einerseits der Amtsgruppe D (Konzentrationslager) des SS-WVHA durch den o. bereits angeführten Bundesarchiv-Bestand Konzentrationslager (NS 4).
    Zu den Nürnberger Prozessen (Pohl-Prozess) vgl. ALLPROZ.

    Amtliche Druckschriften:
    Merkblatt für die Verpflegung der Waffen-SS, Jg. 1940 ff. (ab Jg. 1944 Nr. 55 unter dem Titel: Verpflegungsmerkblätter für SS und Polizei). Hrsg. vom Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei. Hauptamt Haushalt und Bauten (ab Jg. 1942 Nr. 42: Hrsg. vom Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei. SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt) [NSD 41/15]
    Verwaltungs-Mitteilungen für die Waffen-SS, Jg. 1 (1940). Hrsg. vom Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei. Hauptamt Haushalt und Bauten [NSD 41/14]
    Wirtschafts- und Verwaltungsanordnungen (W.V.A.), Jg. 1 (1942) ff. Hrsg. vom Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei. SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt [NSD 41/16]

    Literatur:
    - Georg, Enno: Die wirtschaftlichen Unternehmungen der SS, Stuttgart 1963.
    - Henke, Josef: Das Schicksal deutscher zeitgeschichtlicher Quellen in Kriegs- und Nachkriegszeit. Beschlagnahme - Rückführung - Verbleib, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 30/1982, S. 557-620.
    - Kaienburg, Hermann: Die Wirtschaft der SS, Berlin 2003.
    - Naasner, Walter: Neue Machtzentren in der deutschen Kriegswirtschaft 1942-1945. Die Wirtschaftsorganisation der SS, das Amt des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz und das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition / Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion im nationalsozialistischen Herrschaftssystem, Boppard am Rhein 1994.
    - Naasner, Walter: SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung. "Das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt und die unter seiner Dienstaufsicht stehenden wirtschaftlichen Unternehmungen" und weitere Dokumente, Düsseldorf 1998.
    - Pingel, Falk: Häftlinge unter SS-Herrschaft. Widerstand, Selbstbehauptung und Vernichtung im Konzentrationslager, Hamburg 1978.
    - Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof. Nürnberg, 14.11.1945 - 1.10.1946, Bd. I-XLII, Nürnberg 1947 ff.
    - Schulte, Jan Erik: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS: Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945, Paderborn (u.a.) 2001.
    - Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals under Control Council Law No. 10. Nuernberg, October 1946 - April 1949, Bd. 5: The Pohl-Case, Washington, DC 1950.
    - Tuchel, Johannes: Konzentrationslager. Organisationsgeschichte und Funktion der "Inspektion der Konzentrationslager" 1934-1938, Boppard am Rhein 1991.
    - Tuchel, Johannes: Die Inspektion der Konzentrationslager 1938-1945. Das System des Terrors. Eine Dokumentation, Berlin 1994.
    - Wegner, Bernd: Hitlers Politische Soldaten: Die Waffen-SS 1933-1945. Studien zu Leitbild, Struktur und Funktion einer nationalsozialistischen Elite, Paderborn 1. Aufl. 1982 (4. Aufl. 1990)
    Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs:
    https://invenio.bundesarchiv.de/basy...-0e8c925771d5/
    Rechteinformation:
    Rechteinformation beim Datenlieferanten zu klären.
    Objekt beim Datengeber anzeigen
    damit, basta.

  7. #56

    Default

    or


    SS Economic and Administrative Main Office (Inventory)
    Inventory signature:
    BArch, NS 3
    Context:
    Federal Archives (Archivtektonik) >> North German Confederation and Empire (1867 / 1871-1945) >> affairs, health, police and SS, folklore
    Stock Duration:
    1934-1945
    Inventory Description:
    History of the inventory agent:
    The SS was the defining and most effective terror and destruction instrument of the Nazi state. This presupposes in particular the complete collection of state-police executive by the SS and the gradual disentanglement of police violence from the standard control of the judiciary. But the expansion of the SS was not limited to the police sector.
    No one could have anticipated the unique development since the spring of 1925 so designated Schutzstaffel (n) of the NSDAP (SS) in March 1923 in connection with the establishment of the first "Stabswache" and thus the earliest forerunner of the SS by Hitler. As persons and Assembly Schutztruppe erected concerned with subscribers advertising and poster adhesive action in favor of the NSDAP and its organs and upgraded in November 1930 as internal police of the party, the SS could since 1933/34 gradually not only police, but with the Waffen-SS and their precursors also acquire military executive powers of the state. The SS, at the latest after the events of 30 June and the 1st and July 2nd 1934 final out of the shadow of the Sturmabteilung (s) of the NSDAP (SA) emerged, designed, perfected and mastered the large-scale system of concentration and extermination camps ; she planned and enforced the rassenideologisch justified genocide of Jews to Gypsies and other stigmatized populations, which were in the German sphere of influence and dominion. In the National Socialist race, the ethnicity and settlement policy, which had with the precursors of the so designated only since January 1935 Race and Settlement Main Office SS found in the SS since January 1932 institutional basis, the Reichsfuhrer SS was (RFSS) since in October 1939 in his new role as Reich Commissioner for the Preservation of German nationality (RKFV) the decisive factor of power. The German science and education policy was supported by the SS since the thirties mainly using the "research and teaching community 'Ahnenerbe' e.V." infiltrated.
    The SS, whose total headcount increased until the end of June 1944, nearly 800,000, served not only as a reliable instrument of power of the leader will and a most significant bearing member of the Nazi ideology; they could also in the genuine interest domination of Hitler as a versatile alternative instance if necessary exert pressure to adapt to competing key personnel of the civilian and military sector.
    Viewed against this background, it is clear that the economy could only be a segment in the overall structure of the claimed and occupied by the SS jurisdiction, that in the second half of the war particular importance was nevertheless attach.
    The economic activity of the SS was based on various, partly irreconcilable motives. The Reichsführer-SS and the representatives of the SS Economic and SS administration linked the economic function of the SS inconsistently, influenced by prevailing expediency, with objectives of ideological self-expression beyond profit expectations, with self-sufficiency and self-sufficiency plans as well as with unbridled economic expansion tendencies. At the same time won since 1940/41 for the SS, the prospect of future peace economic importance; here is to secure the SS over other prospective a favorable position was.
    In the early years of the Nazi state, the economic activities of the SS were not a priority under the premise of sales and profit maximization; was more important in this economic construction phase rather the introductory discussion of the party structure with business and commercial law framework regulations. founded and took over the SS since 1934, associations and foundations ideological representative and culturally-historical imprint on the substantially lager internally aligned repairers in the concentration camps also.
    In the tension upgrade related macroeconomic demand gaps in coverage, especially in the field of so-called "labor input", and the ideological reasons nevertheless pushed forward to large urbanization projects nationalsozialisti‧schen regime the SS Economic came with the founding of the German Earth and Stone Works GmbH (DESt) in April 1938 in a new stage of development. With the establishment of the German Equipment GmbH (DAW) in May 1939, among other companies, the two largest and most important for now SS company emerged under the sign of forced economic and political preparations for war by the regime.
    Both opened with the beginning of the war comprehensive economic and political power expansion possibilities of the SS as well as the unfavorable and in need of reform economic initial development of the main SS companies led in July 1940 to the founding of the German farms GmbH (DWB). The merged in this holding company SS companies were subsidiaries of the now established SS Group. Numerous companies of various industries, with a variety of companies were formed in DWB Group. A number of other companies, foundations, associations, assets were managed unincorporated etc. under the authority of the SS Economic and Administrative Main Office.
    After the "lightning war" and under the influence of military winter crisis of 1941/42 the Nazi regime and its war economic control bodies, supported by state- and private-sector stakeholders were willing to include the economic potential of the SS in the process of arms production. Accordingly, the economic administration of the SS since 1942, the conversion of the SS Company on defense projects operational. Within the overall framework of the SS Economic a significant increase in sales since 1941 and the gains since 1943 was recorded.
    Exhaustively sought by the SS leadership alone anchoring the SS in industrial production planning and armor Send fell through except on specific deficits of the SS Economic especially the resistance of the government and the private defense industry, military war economy instances, the Reich Ministry for Armaments and War Production, and of he steered Governmental industrial armaments Organisation. In total scale of the German armaments production Send the independent contribution of SS-owned businesses were severely limited; the function of the SS in the armaments industry was a priority in the provision of additional labor for the SS external defense industry. Nevertheless, the SS secured its war economic position by claiming sole control over the most important factor of production at its disposal, the labor potential of concentration camp inmates; also questioned the SS ensure that the work done in SS external armament factories prisoner forced labor was adapted to dominated by the SS conditions of the concentration camp system.
    The unrealistic goal of leadership monopoly of the SS Economy and the SS WVHA in the overall structure of the German war economy was not followed by the Nazi regime. His interest was directed rather to the extent possible armor economic exploitation of prisoners and forced labor in the outgoing of the SS-economy as an alternative potential political and economic pressure to adapt to the Governmental Industrial governing bodies of the war economy and industrial practitioners.
    The economic activity of the SS had crossed directly with the governance of the organization. has to be considered in principle, that the SS was a breakdown of the NSDAP unincorporated and own assets. [2] The institutional and organizational development of early tip outline the SS and especially the SS administration proved extremely complicated. In April 1934, Himmler issued the following statement in retrospect:
    "In the early years of the formation of the SS, the administrative work in the application of funds and their proper proof of, the professional activities of 'money manager' accordingly. Of this mostly took place in the most varied form of exhausted [...]
    With the growth of the SS and its organizational Through education, but gave further and very important values ​​by expanding the sources of income, increasing the inflowing funds and by significant increased procurement of clothing and equipment.
    By managing these funds and by demonstrating the procurement, the tasks of the money manager has expanded such that a only 'Geld'-administration can not be spoken, but a' management 'per se. "[3]
    The expansion of money management to a general administrative nature of the SS in the summer of 1932. From this time on, the first led by Gerhard Schneider Office of Administration-SS (VA-SS) documentary detectable up to restructuring in the Reich leadership SS in January 1935 by in 1932 built SS-official (SS-A) was umgewandet in the SS main Office (SS-HA); one of the offices of the SS Main Office was the Office of Administration-SS (IV).
    Oswald Pohl,, 01 Febr. 1934 as successor to the SS Oberfuhrer Gerhard Schneider Chief of Division IV and head of the Office of Administration-SS, took effect from 01 June 1935 in addition the functions of the administrative heads of the SS in the "personal character" the Reichsfuhrer-SS [4] and the Reichskassenscheine manager of SS true. Within the SS only was the administrative head of the SS, the highest SS administration office, empowered to negotiate with the national leadership of the Nazi Party and government authorities in budgetary and associated administrative matters. As Reich Treasurer of the SS was Pohl representative and commissioner of the Reich Treasurer of the NSDAP (RSM) and led the budget and administrative transactions with the office of the Chief Treasurer.
    Given the economic and executive expansion of the SS was revalued with effect from 20 Apr. 1939, the department head of administration of the SS to the main office in the Reich leadership SS, which was given the designation "central office administration and business" (SDH). The Chief of the Main Office administration and business in the Reich leadership SS, Pohl, was also head of the Main Office for Budget and Construction (HaHb) of the Reichsführer-SS and Chief of the German Police in the Reich Ministry of the Interior (RFSSuCHdDtPol in RMDI). The formation of SDH was a year after the founding of DESt GmbH, the first large-SS company, an indication of the increased importance and the inextricable interrelationship of the SS Economic and SS administration.
    As head of the SDH and still as Reich Treasurer of SS Pohl acted on the official party level and was so far responsible for the payments made by the party to entertain the general SS expenses. In contrast, the HaHb had formally ministerial character, which the appointment was made on April 20, 1939 to Pohl Secretary at RFSSuChdDtPol in RMDI, Main Office for Budget and Construction corresponded; these manipulative construction opened the SS administration immediate access to the kingdom means financing the SS-Verfügungstruppe (SS-VT), the SS Death's Head Units (SS-TV) and the concentration camp responsible government allocation bodies, Pohl secured direct control over the information received Reich expenses and enabled a fictitious differentiation of party-related and governmental financial management of the SS.
    With effect from 01 September 1941, the SDH was reorganized and divided into eight numbered Roman "W" -Ämter. Unlike the previously professionally uncoordinated interagency and Department structure of the SDH, the now established system of W-offices followed with the represented in them SS things one economic sector model. The staff of the SDH Chefs Pohl consisted of the departments Law (R), Auditing (W) and operation inspection (J).
    On 01 Febr. 1942, the functions and powers of the dissolved with effect from 31 Jan. 1942 Offices were Hauptamt bundled Budget and Construction, Main Office administration and business and government office-SS and taken over by the now established SS Economic and Administrative Main Office. The SS WVHA remained until the end of the war the central steering authority of the SS Economics and the SS administration. As head of the SS WVHA Pohl was appointed on 20 Apr. 1942 obergruppenführer and General of the Waffen SS.
    The SS-WVHA was in March 1942 in the five official categories A (troops Administration), B (troop economy), C (construction), D (concentration camp) and W (Commercial enterprises) subdivided. The Office Group W was analogous to those introduced on 01 September 1941 breakdown of the former SDH from the aligned professionally by economic branches offices W I to VIII W with managed in their economic enterprises of the SS.
    Within the SS WVHA the boss (the rod) W and acting under the rod W of monitoring, coordinating and advising the W-offices and the W-companies served; the boss W was economic advisor to the Main Office chiefs Pohl, whom he assisted in his managerial responsibilities. The W-department heads had to constantly stay in touch with head west. The rod W was both organisationally and personnel intertwined with the DWB GmbH.
    The anchored outwards in HaHb / SDH institutional separation of party and moderate state financial management of the SS was lifted with the formation of the SS WVHA again; took place in his editing of all economic, administrative and construction matters of the Reichsführer-SS alike in ministerial authority.
    An institutional special position took Amtsgruppe W a. The the staff of the Office Group W belonging SS officers were for the individual companies - parallel to their SS official subordination Pohl as obergruppenführer and General of the Waffen-SS and Chief of the SS WVHA - formally SS externally in non- governmental and non-party- or SS official employee or representative ratio according to commercial law operates; the W-offices were decentralized at spatially separated from the SS WVHA locations.
    The DWB GmbH was founded, acquired or assumed on the basis of a yet to be represented in detail fiduciary relationship as most SS owned by members of the SS, which occurred under commercial law as individuals with civilian jobs, or about commercial law enshrined SS companies; this natural and legal persons recorded for the contributed capital deposits. The actual origin of the individual portions of stepwise increased equity of DWB GmbH is however not laid down legally, so that respective majorities of both the Empire and the NSDAP are constructible.
    Pohl led the DWB Group as sole shareholder and sole representation first managing trust for the Reichsfuhrer SS. In October 1943, Pohl offered notarized the assignment of only represented by him as trustee equity shares of DWB GmbH and the Eastern Industries GmbH (Osti) to the RFSS or an identified by that third party. The apparent when the leadership of the SS Economic unofficial, freely assumed fiduciary relationship reflected the fact that the SS as a Nazi organization and the RFSS could be no separate legal personalities and asset support and that also under German commercial law fiduciary Incorporations and capital contributions were not possible.
    Given this normative legal relationships formed the SS leadership, the high percentage of SS-economy is not as imperial or as party company, but in the form of a private company. Here, the opportunity arose for achieving a wider economic vision of the SS: The private sector orientation and the legal establishment of the DWB group and thus the most important part of the SS Economic beyond the immediate institutional framework of the SS were fundamental prerequisites for long-term economic independence of the SS and to shield the SS economic against possible attempts influence and control claims of the state and of the party as well as private sector stakeholders. The financial authorities of the Reich and the Reich Treasurer of the NSDAP have recognized the private nature of the commercial law written DWB Group and can refer to financial claims against the DWB GmbH, which would, for example, those introduced in the equity payments and increases the company Reich and party agents waived.
    -----------------------------------------
    [1] The comments in Section 1 of the Preamble largely follow the presentation in: Walter Naasner: SS Economic and SS administration. "The SS Economic and Administrative Main Office and under its supervision economic enterprises" and other documents, Dusseldorf 1998, p 3-9.
    [2] In this context should be noted that in § 1 para. 2 of the Act to Secure the Unity of Party and State of 01 Dec. 1933 RGBl I S. 1016 regulation included the status of the NSDAP as a corporation public law was repealed by the § 4 of the decree of the leader on the status of the Nazi party, Dec. 12, 1942, Imperial law Gazette I, p 734. S. to the in. Walter Naasner, SS Economic and SS administration (.. S to o, p IX, footnote 1), pp 289-292, edited documents (BArch NS 3/1072, fol 2, 4-6).
    [3] RFSS-Decree of 16 April 1934 concerning. "Administration Guide". BArch NS 31/361, fol. 50 (incl. Rear).
    [4] S. to the RFSS command from 01 June 1935. BArch NS 3/555, fol. 31; edited in: Walter Naasner, SS Economic and SS administration (s to o, p IX, footnote 1.), p. 209


    Inventory Description:
    inventory History
    Whichever route took the documents of the SS WVHA against the war and in the early postwar period, today can no longer or only very incomplete trace. [5]
    Given this knowledge deficits must as early postwar evidence already dated in February / March 1952 forms "List of Contents for Shipment of Records" are classified, are where confiscated by US agencies documents of SS WVHA detected; it is reported in the "From" respectively the Berlin Document Center (7771 Document Center, Berlin), while the "To" heading remained open respectively.
    Today in the Federal Archives inventory SS Economic and Administrative Main Office (NS 3) a brief break in documents arrived in the essential scope seized as components of many repatriations printed matter from the custody of different US agencies since 1958 to the Federal Archives. In this context, mention should be made in particular those files returns the Federal Archives that were made both from the USA and from the Berlin Document Center (BDC), and in 1966 again from the United States in the year 1962nd
    A - but only small - part of those Utnerlagen that have been archived by the Ministry of State Security (Stasi) of the GDR un ddie are seiter German reunification in the Federal Archives, the provenance was next in 2004 after a necessary archival processing the stock NS 3 feed , Whether and to what extent these materials have been previously seized by the Soviet side and then delivered to DDR sites, can not be clarified beyond doubt.
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    [5] S. to the general development contribution Josef Henkes, The fate of German contemporary history sources in wartime and postwar. Seizure - recycling - whereabouts, in: Quarterly Journal of Contemporary History 30/1982, pp 557-620.
    Archival appraisal and processing
    The development work on the Federal Archives inventory NS 3 extended - with naturally varying intensity and priorities - over a period of more than four decades. In addition to the limitations of staffing this can be explained by its dependence on the very irregular rhythm of filing returns the Federal Archives. Then there are the not uncomplicated registration conditions in the SS WVHA, the extremely poor state of order of the returned records and the needs of a relatively deep archival development.
    Another reason for the long duration of the development is the fact that the records of the stock since its formation in the Federal Archives were NS 3 from the outset and without time restriction to use and have also been used to various purposes, not only in scientific research projects, but some also from official quarters in preparation of war crimes trials or trials for Nazi crimes of violence; an only temporary use lock, and it is also for archival processing appeared, either historically or politically.
    The development work on the stock NS 3 were made in its main parts over many years by Mrs archive Oberrätin Elisabeth children and especially Mr Archives Director Dr. Josef Henke; deviated by Mr Archivamtsrat Johannes Ganser, Mr. Executive Director Archives Wolf Buchmann and arranger.
    In the classification of the stock formed by principle of provenance in the Federal Archives NS 3 could - due to frequent festzustellenden quality deficits in but only to a limited extent and with very different benefits and so unlike, say many Reichsministerialaktenbeständen - in NS 3 very patchy traditional filing plans, part of filing plans, allocation plans, organizational charts and other organizational documents and filing tools from different institutions and organizational units of the SS-WVHA and its function predecessor used.
    The starting point for the classification of the stock NS 3 is on March 03 1942 approved by Himmler organization chart of the SS WVHA [6]. In it are - as far as it seems appropriate at this point in the foreword, the views of the plains only official groups and offices remain limited - stated:
    Official Group A troops Administration
    - Office AI Budget Office
    - Official A II POS and Salaries
    - Official A III Law Office
    - Official A IV Examination Office
    - Official A V Office of Personnel
    Official Group B troops economy
    - Official B I Board economy
    - Official B II clothing industry
    - Official B III accommodation business
    - Official B IV raw materials and procurement
    Office Group C Construction
    - Official C I General construction tasks
    - Official C II Sonderbauaufgaben
    - Official C III Technical Subjects
    - Official C IV Artistic Subjects
    - Official C V Central Construction Inspection
    - Office C VI building maintenance and operating economy
    Office Group D concentration camp
    - Official D I Central Office
    - Office D II work deployment of prisoners
    - Office D III Sanitation and Camp Hygiene
    - Office D IV KL Management
    Office Group W Commercial enterprises
    - Official W I Nonmetallic Minerals (Reich)
    - Official W II rocks and soils (East)
    - Official W III diet farms
    - Official W IV Woodworking enterprises
    - Official W V agriculture, forestry, fishing
    - Official W VI textile and leather recycling
    - Official W VII book image
    - Official W VIII Special Tasks
    On 01 Nov.1944 addition, the SS-WVHA Office W IX Forestry was established, inter alia, on the part of the powers of management and staff the offices W V and W VIII were transferred [7].
    Significant deviations from the approved on March 03, 1942 establishment plan of the SS WVHA includes the classification of the stock NS 3 especially in the field of Office Group W (Commercial enterprises), in the example, integrates the resulting rod when W and at Deutsche Farms GmbH records and the directly managed by the staff W enterprises as well as the operations outside the offices things are taken into account. In particular, the classification levels of the official group W is to take account of the entangled registration conditions; For example, as far as it appears objectively necessary, the offices W I to VIII W and the things outside the offices partly zuklassifiziert documents, to the bar W and has emerged in the DWB GmbH, partly same applies vice versa.
    By contrast, classification-related deviations from O.A. explain Organisational structure in terms of the official groups A (troops Administration), B (troop economy), C (construction) and D (concentration camp) primarily NS from the quantity-related priorities of the tradition of structure 3 (s. To u., Point 4 of the Preamble).
    Complemented the classification is as follows function predecessor of SS WVHA:
    Administrative head of the SS
    Main Office Management and Business
    Main Office for Budget and Construction
    Documents this feature predecessor can be found naturally on the classification of Benen SS WVHA (V. A. at amortized files).
    If the finding aid the printed patterned by the classification, so References by detailed indexes (Persons Index, Geographic Index, Subject Index) are guaranteed.
    Given the significant source of value documents of the stock NS 3 a "deep" development is offered: lie to the Verzeichnungseinheiten besides the often extensively landscaped titles in many cases more and in turn detailed Contains notices before.
    -------------------------------------------
    [6] BArch NS 3/555, fol. 8th; edited in: Walter Naasner, SS Economic and SS administration (s to o, p IX, footnote 1.), p. 242 f.
    [7] S. the chief command no. 49 of the Chief of the SS WVHA dated 25 Oct. 1944 BArch NS 3/1080, fol. 232; edited in: Walter Naasner, SS Economic and SS administration (s to o, p IX, footnote 1..), p.227.


    Substantive characterization:
    substantive characterization
    The archival holdings of the NS 3 are an indispensable source fundus not only for the reconstruction of the historical development of the SS Economic and SS administration. Moreover, they are usefully evaluated in scientific interpretations to the total history of the SS and the Nazi state.
    The quantitative focus of the tradition of the stock NS 3 make clear, not to say: on one side the classified in the Office Group W (Commercial enterprises) of the SS WVHA documents; is in the appropriate classification levels - as o was carried out -. Also the writings of the bar W and the DWB GmbH integrated.
    This is the field of the SS economy from a comparison with traditions to other areas of the history of the SS exceptionally dense and informative archival source basis.
    Of great importance, the considerable gaps in the traditions of the official group C (construction) and D (concentration camp) which only partially by supplementing traditions (S.U., point 5 of the Preamble) are to be compensated. At least it has an extensive, albeit incomplete prisoner index with approximately 116,000 prisoners cards was until 1990 under the responsibility of the Documentation Centre of the State Archives Administration of the Ministry of the Interior of the GDR, are the stock NS 3 supplied (NS 3/1577; use only after consultation by the relevant Policy Department).
    Compared with the official groups C and D in the Office Group A (troops Administration) and B (troop economy) existing also extended tradition gaps can be tolerated with greater serenity in the face of the machined in these two official groups competence areas of historical research.
    To what extent the outlined herein tradition losses in the war, or until the post-war period, that are, occurred before the transfer of the relevant documents to the Federal Archives, must remain open.
    Already at this point it should be noted that significant aspects about the concentration camp system and the history of the concentration camp inmates, not only in the records of the Office Group D, but also in archives of other official groups, especially the very good traditional Amtsgruppe W are occupied.


    Development Status:
    Online finding aid


    Citation:
    BArch, NS 3 / ...
    provenance:
    SS Economic and Administrative Main Office (SS-WVHA), 1942-1945
    scope:
    2022 Storage Units
    Archival type:
    records
    Language of documents:
    German
    Related stocks and literature:
    Foreign archives:
    Federal Commissioner for the Records of the State Security Service of the former German Democratic Republic (Stasi)
    With regard to relevant supplementary traditions is at the Nuremberg US succession process, case thinking IV (Pohl-process); the documents used in it have been handed down in different density and shape in numerous archives, et al the State Archives Nuremberg and in the National Archives and Records Administration, Washington, DC.
    "Special Archive", Moscow: stock concentration camp and POW camp in Germany (Fond 1367), inventory Zentralbauleitung the Waffen SS and the police in Auschwitz (Fond 502 [7310 archival units]), inventory welfare and care services of the Waffen-SS (Fond 1372)

    Related archives in the Federal Archives:
    A central archival tradition the history of the SS certainly includes the Federal Archives inventory Personal Staff Reichsfuehrer SS (NS 19), the NS in an evaluation of the existing 3 should be routinely used to speak parallel.
    damit, basta.

  8. #57

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    Walter Naasner, SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung - Droste Verlag
    damit, basta.

  9. #58

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    We've mentioned this book a hundred times over a decade or so.
    damit, basta.

  10. #59

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    damit, basta.

  11. #60

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    The other center of gravity is formed by the Persoenlicher Stab RFSS files, a description of which is thus:



    1. Organisationsgeschichte

    Als Heinrich Himmler im Alter von 28 Jahren durch Verfügung Hitlers vom 20. Januar 1929 zum Reichsführer-SS ernannt wurde, zählten zur SS, damals noch eine Sonderformation der SA, lediglich rund 280 Mann. Oberstes Führungsorgan der im Frühjahr 1925 zum persönlichen Schutz Hitlers und zum Versammlungsschutz aufgestellten "Schutzstaffeln der NSDAP", deren Kürzel "SS" wohl zur bekanntesten die Schreckensherrschaft des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland und Europa symbolisierenden Chiffre werden sollte, war die "Oberleitung der Schutzstaffeln der NSDAP", die organisatorisch als Teil der Obersten SA-Führung in München fungierte. Auf dem Höhepunkt des zweiten Weltkriegs, zum 30. Juni 1944, umfaßte die SS dann knapp 800000 Mitglieder, davon allerdings allein beinah 600000 in der Waffen-SS [1]. Der bürokratische Apparat der SS war in diesen 15 Jahren durch Errichtung immer neuer Ämter, Hauptämter und sonstiger zentraler Einrichtungen auf der obersten Führungsebene und durch Bildung zahlreicher nachgeordneter Dienststellen und Institutionen ins Riesenhafte angewachsen. Gleichzeitig hatte sich - auch als Folge von Himmlers Führungsprinzip der Spaltung von Kompetenzen einerseits und der Verknüpfung institutionell aufgeteilter Kompetenzen durch Personalunion andererseits - das Organisationsgeflecht in der Spitze der zu einem, wenn nicht dem entscheidenden Herrschaftsinstrument gewordenen SS [2] als nahezu unüberschaubar herausgestellt.

    Die formale Loslösung der SS von der SA geschah in zwei Schritten. Der Mitteilung Himmlers an die SS vom 1. Dezember 1930, wonach "die restlose Trennung von SA und SS vollzogen" sei [3], war eine Anordnung Hitlers als des Obersten SA-Führers vom 14. Januar 1931 gefolgt, daß der Reichsführer-SS als Führer der Gesamt-SS dem Chef des Stabes, die SS als selbständiger Verband mit eigenem Dienstwege dem Reichsführer-SS unterstellt sei [4]. Mit der durch Hitlers am 20. Juli 1934 verfügten "Erhebung" der SS "zu einer selbständigen Organisation im Rahmen der NSDAP" fand dann die Bindung der SS an die SA ihren endgültigen Abschluß. Begründet wurde dies mit den großen Verdiensten, "besonders im Zusammenhang mit den Ereignissen des 30. Juni 1934" [5], also des sogenannten "Röhm-Putsches". Gleichzeitig wurde der Reichsführer-SS, wie der Stabschef der SA, Hitler direkt unterstellt.
    1929 hatte die Reichsführung-SS, die zunächst noch einen "Geschäftsführer der Oberleitung" kannte, im Rahmen der damals ebenso gering entwickelten Obersten SA-Führung einen sehr bescheidenen Zuschnitt. Der von Himmler betriebene institutionelle Ausbau der SS-Führungsspitze verlief deutlich parallel zur Entwicklung der Obersten SA-Führung, nachdem Ernst Röhm diese als Stabschef im Januar 1931 übernommen hatte. Wie bei dieser entstanden bis Mai 1931 in der Reichsführung-SS mehrere Abteilungen und Referate in folgender Gliederung [6]:

    Ia

    Gliederung, Ausbildung, Sicherheitsdienst
    Ib

    Motorisierung, Transportwesen
    Ic

    Nachrichtenwesen, Presse
    Id

    Bekleidung, Verpflegung, Unterkunft
    Iia

    Personalabteilung, Stellenbesetzung
    Iib

    Stärkennachweise
    III

    Ehrenangelegenheiten, Rechtsangelegenheiten
    Iva

    Geldverwaltung
    Ivb

    Ärztliche Versorgung der SS (Reichsarzt-SS)
    V

    Propaganda

    Aus diesen Organisationseinheiten entwickelte sich im Jahre 1932 das SS-Amt. Das Referat Ic wurde zum SD-Amt, ein Rasseamt, später Rasse- und Siedlungsamt, Anfang 1932 neu geschaffen.

    Das SD-Amt, später SD-Hauptamt, nahm mit der Ernennung Himmlers zum Inspekteur der Preußischen Polizei am 20. April 1934 und der Funktion Reinhard Heydrichs als Leiter sowohl des Geheimen Staatspolizeiamtes als auch des SD-Hauptamtes eine von der engeren Reichsführung-SS getrennte Entwicklung, die 1939 im Zusammenschluß von SD-Hauptamt und Hauptamt Sicherheitspolizei zum Reichssicherheitshauptamt mündete [7]. Zwar zählte das Reichssicherheitshauptamt ebenso wie das Hauptamt Ordnungspolizei, der Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums und die Volksdeutsche Mittelstelle nach dem Verständnis von SS und NSDAP zur Organisation der SS-Führung; diese Behörden nahmen jedoch jenseits der gemeinsamen Führung durch Himmler als Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei bzw. als Reichskommissar für die Festigung Deutschen Volkstums und der Verknüpfung von staatlichen und parteiamtlich geprägten Aufgaben im wesentlichen staatliche Funktionen wahr [8].

    Das SS-Amt von 1932, das ab 1935 als SS-Hauptamt firmierte [9], wurde unter Veränderung seiner Aufgaben bis in die Kriegsjahre hinein zur Keimzelle neuer Hauptämter. Sie entstanden beim immer stärkeren Ausbau der Reichsführung-SS durch zunehmende Führungs- und Verwaltungsaufgaben: Aufbau der bewaffneten Verbände, Aufbau und Führung der Waffen-SS im Kriege, Verwaltung der Konzentrationslager (KL) und der Wirtschaftsunternehmungen der SS, Aktivitäten im weltanschaulich-politischen Bereich.

    Der Befehl des Reichsführers-SS vom 14. Januar 1935 über die Neugliederung in der Reichsführung-SS mit Wirkung vom 20. Januar 1935 nannte neben dem SS-Hauptamt, dem SD-Hauptamt und dem Rasse- und neben dem SS-Hauptamt, dem SD-Hauptamt und dem Rasse- und Siedlungshauptamt auch den "Stab Reichsführer-SS". Dieser gliederte sich in Chefadjutantur, Personalkanzlei, SS-Gericht, Revisionsabteilung und Stabskasse [10]. Aus der Chefadjutantur sollte dann später das Hauptamt Persönlicher Stab Reichsführer-SS entstehen. Der Stab Reichsführer-SS und das SS-Hauptamt waren dadurch personell eng miteinander verknüpft, daß die Chefs einzelner Ämter des Hauptamtes zugleich Funktionen im Stab wahrnahmen. So korrespondierten im

    SS-Hauptamt:

    Stab Reichsführer-SS:
    Personalamt (II)

    Personalkanzlei (II)
    Gerichtsamt (III)

    SS-Gericht (III)
    Verwaltungsamt (IV)

    Verwaltungschef-SS und Reichskassenverwalter (IV)
    Sanitätsamt (V)

    Reichsarzt-SS (V)

    Dazu kamen im SS-Hauptamt noch das Führungsamt (I) und das Ergänzungsamt (VI) sowie - dem Chef des SS-Hauptamts unmittelbar unterstellt - der Inspekteur der KL und der SS-Wachverbände, ab 1936 der SS-Totenkopfverbände, und, ab Herbst 1935, der Inspekteur der Verfügungstruppe.

    Nacheinander entstanden in der Folge aus den entsprechenden Organisationseinheiten im SS-Hauptamt bzw. im Stab Reichsführer-SS
    1939:
    -

    das SS-Personalhauptamt für die Personalangelegenheiten der SS-Führer
    [11],
    -

    das Hauptamt SS-Gericht [12],
    -

    das Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft [13], das ab 1942 mit dem Hauptamt Haushalt und Bauten des Reichsführers-SS und Chefs der Deutschen Polizei und dem SS-Verwaltungsamt zum SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt vereinigt wurde [14],
    1940:
    -

    das SS-Führungshauptamt "zur militärischen Führung der Waffen-SS und vor- und nachmilitärischen Ausbildung der Allgemeinen SS" [15],
    -

    die "Dienststelle SS-Obergruppenführer Heißmeyer", die Nationalpolitische Erziehungsanstalten und Heimschulen im Geschäftsbereich des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung beaufsichtigte, gleichsam die Vorstufe eines geplanten Hauptamtes Nationalpolitische Erziehung [16].
    Dem SS-Hauptamt unter seinem Leiter SS-Gruppenführer Gottlob Berger verbliebenen im wesentlichen das Erfassungs- und Ergänzungswesen sowie Angelegenheiten der Schulung, insbesondere der in den "germanischen Ländern" rekrutierten SS-Angehörigen.

    Neben diesen Hauptämtern und Ämtern hatte sich Himmler schon früh eine eigene Geschäftsstelle zur Lenkung des Apparates und zur Aufsicht über ihm direkt unterstellte Institutionen und außerhalb der Ämter verbleibender Aufgaben in seiner Adjutantur geschaffen. In sie war am 15. Juni 1933 der mit Himmler gleichaltrige SS-Hauptsturmführer Karl Wolff [17] als hauptamtlicher Adjutant eingetreten. Wolff wurde sehr bald der engste Vertraute Himmlers, begleitete ihn auf Reisen und nahm an seinen Führungsaufgaben teil. Im Jahre 1935 wurde er Chefadjutant.
    Der Aufwertung der Chefadjutantur als einer ihrer ursprünglichen Aufgabe entwachsenen Institution trug Himmler Rechnung, als er sie mit Befehl vom 9. November 1936 zum Persönlichen Stab umwandelte [18]:

    "1.) Mit Wirkung vom 9. November 1936 erhält die bisherige Chef-Adjutantur des Reichsführers-SS in Anbetracht ihrer Größe und ihres im Laufe der Jahre stark erweiterten Dienstbereichs die Bezeichnung 'Der Reichsführer-SS Persönlicher Stab'.
    2.) Zum Chef des Persönlichen Stabes ernenne ich den SS-Brigadeführer Wolff.
    3.) Die neu zu errichtende Adjutantur des Reichsführers-SS bildet eine Abteilung des Persönlichen Stabes."

    Die gleichzeitige Erhebung des Persönlichen Stabes zu einem Hauptamt war nicht nur nicht ausgesprochen, sondern vermutlich auch nicht intendiert. Die zunehmenden Aufgaben des Persönlichen Stabes einerseits und die Rücksichtnahme auf die Stellung Wolffs gegenüber den 1939 neu etablierten Hauptamtschefs mögen Himmler bewogen haben, einen anderen Befehl vom 9. November 1936 später, im Jahre 1939, nachträglich dahin zu interpretieren, daß er den Persönlichen Stab bereits damals zu einem Hauptamt erhoben habe. In diesem Befehl vom 9. November 1936 [19] über die "Neuordnung der Befehlsverhältnisse in der Gesamt-SS" hatte er die "Gliederung der Dienststelle Der Reichsführer-SS" folgendermaßen bekanntgegeben: SS-Hauptamt, SD-Hauptamt, Rasse- und Siedlungshauptamt, Reichsführer-SS Persönlicher Stab; außerdem hatte der Chef der Ordnungspolizei, SS-Obergruppenführer Daluege, den Rang eines Hauptamtschefs. Im Befehl vom 1. Juni 1939, mit dem er das SS-Personalhauptamt und das Hauptamt SS-Gericht bildete, griff er diesen Befehl wieder auf und formulierte, daß er als Hauptämter eben diese "festgesetzt hatte". Noch im Befehl vom 20. April 1939 zur Gründung des Hauptamtes Verwaltung und Wirtschaft hatte er jedoch erklärt, daß dieses "ein Hauptamt wie die übrigen Hauptämter der Reichsführung-SS (SS-Hauptamt, SD-Hauptamt, Rasse- und Siedlungshauptamt, Hauptamt Ordnungspolizei und Hauptamt Sicherheitspolizei)" sei. Noch hier also war von einem Hauptamt Persönlicher Stab nicht die Rede. Wolff wurde erst am 8. Juni 1939 rückwirkend zum Hauptamtschef ernannt [20].

    Funktion und Aufgabe des Persönlichen Stabes sind in einer Weisung vom 3. April 1937 zur Befehlsführung und Sachbearbeitung im Geschäftsbereich des Reichsführers-SS [21] folgendermaßen beschrieben: "Der Persönliche Stab des Reichsführers-SS ist sachbearbeitende Dienststelle des Reichsführers-SS für diejenigen Angelegenheiten, die nicht in die Tätigkeitsbereiche der Chefs des SS-Hauptamtes, des SD-Hauptamtes, des Rasse- und Siedlungshauptamtes oder der sachbearbeitenden Zentralstellen gehören. Der Chef des Persönlichen Stabes hat alle Angelegenheiten, die in die Zuständigkeit der Chefs des SS-Hauptamtes, des SD-Hauptamtes, des Rasse- und Siedlungshauptamtes oder der sachbearbeitenden Zentralstellen fallen, zuständigkeitshalber endgültig an diese abzugeben.

    Der Chef des Persönlichen Stabes führt gleichzeitig die Aufsicht über
    a) die Adjutantur des Reichsführers-SS,
    b) die Eingangstelle des Reichsführers-SS,
    c) die Kanzlei des Reichsführers-SS".

    Zwei Merkmale des Persönlichen Stabes sind damit aufgezeigt: Er sollte keine Aufgaben in Konkurrenz zu den Fachressorts der SS ausüben, sollte hingegen Himmlers sachbearbeitende Dienststelle für Aufgaben außerhalb dieser Ressorts sein, d.h. wenigstens z.T. die Fachaufsicht über Himmler unmittelbar unterstehende Institutionen ausüben. Die Funktion des Persönlichen Stabes als einer "zentralen Befehlsstelle der Reichsführung-SS" [22], die die Qualität seiner Aktenüberlieferung und damit des hier zu beschreibenden Archivalienbestandes bewirkt hat, ist hier nicht angesprochen. Beim Persönlichen Stab ressortierten darüber hinaus eine Anzahl von Chefstellen, deren Inhaber in Personalunion als Chefs der entsprechenden Ämter im SS-Hauptamt oder im SS-Führungshauptamt fungierten, die sich ihrerseits aber nicht zu eigenen SS-Hauptämtern entwickelten: Der Chef Reichsverteidigung war zugleich Chef des Amtes für Sicherungsaufgaben im SS-Hauptamt, später im SS-Führungshauptamt. Der Inspekteur für Leibesübungen war Chef des Amtes für Leibesübungen im SS-Hauptamt. Der Inspekteur für Nachrichtenverbindungen, zugleich Chef des Amtes Nachrichtenverbindungen im SS-Hauptamt, später im SS-Führungshauptamt, wurde in Chef des Fernmeldewesens umgenannt und firmierte gegen Kriegsende als Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern, Chef des Fernmeldewesens. Ab 1942 hatte er z.B. aufgrund eines persönlichen Befehls Himmlers ein weibliches Nachrichtenkorps der SS aufzustellen und auszubilden [23]. Auch der Leiter des 1938 errichteten, 1944 aufgelösten und zunächst Himmler persönlich unterstellten SS-Fürsorge- und Versorgungsamtes versah eine Chefstelle im Persönlichen Stab.

    Zu den Einrichtungen, die Himmler durch den Persönlichen Stab unmittelbar lenkte, gehörten die Mitte der 30er Jahre geschaffenen wirtschaftlichen Unternehmungen der SS [24] (Nordland-Verlag GmbH, Porzellanmanufaktur Allach, Photogesellschaft F.F. Bauer GmbH, Anton Loibl GmbH, Gemeinnützige Wohnungs- und Heimstätten-GmbH und die Spargemeinschaft-SS, später SS-Spargemeinschaft e.V.), die Gesellschaft zur Förderung und Pflege Deutscher Kulturdenkmäler e.V., die Externsteine-Stiftung und die König-Heinrich I.-Gedächtnis-Stiftung. Alle diese Einrichtungen dienten in einer Wechselbeziehung zugleich finanziellen wie kulturellen, weltanschaulichen oder auch sozialen Zwecken. So kamen beispielsweise die Lizenzgebühren aus der Verwertung des Patents eines Pedalrückstrahlers für Fahrräder - der Erfinder Loibl war ein Kraftfahrer Hitlers - durch die Anton Loibl GmbH dem "Ahnenerbe" e.V. und dem Verein "Lebensborn" zugute. Die Porzellanmanufaktur Allach stellte außer Gebrauchsgeschirr Geschenkartikel her, die nicht in den Handel kamen, sondern allein von Himmler über den Persönlichen Stab bzw. die SS-Adjutantur zu bestimmten Anlässen an SS-Angehörige und deren Familien sowie an andere Empfängerkreise verteilt wurden [25]. Zu den Artikeln, die für die "Geschenkkammer" Himmlers produziert wurden, zählten Lebensleuchter und Kinderfriesteller, Julleuchter und Julteller, Plastiken wie SS-Fahnenträger, SS-Reiter, Landsknecht mit Lanze, Garde du Corps, Gaukler, Dackel, Berghirsch, Trachtengruppen u.a.m. Im Persönlichen Stab waren diese Wirtschaftsbetriebe einem "Kulturreferat" zugeordnet, ausgenommen die Spargemeinschaft-SS, für die die "Abteilung Wirtschaftliche Hilfe" zuständig war. Das Kulturreferat alten Zuschnitts wurde hinfällig, als 1938 alle Wirtschaftsunternehmungen dem SS-Verwaltungsamt im SS-Hauptamt wirtschaftlich und organisatorisch unterstellt wurden. Eine Ausnahme bildete die Porzellanmanufaktur Allach, die im Persönlichen Stab als "Amt München" institutionalisiert wurde.

    Zu den 1938 wirtschaftlich dem SS-Verwaltungsamt unterstellten Einrichtungen zählten auch die Externsteine-Stiftung mit dem Zweck der Erhaltung der vermeintlichen germanischen Kultstätte in der Nähe von Detmold [26], die König Heinrich I.-Gedächtnis-Stiftung, der die Pflege und Erhaltung des Quedlinburger Domes oblag, und die Gesellschaft zur Förderung und Pflege Deutscher Kulturdenkmäler e.V., die eine Reihe von Objekten betreute, zu deren bekanntesten die Wewelsburg bei Paderborn, der Sachsenhain bei Verden/Aller und die Ausgrabungsstätte Haithabu bei Schleswig gehörten. Damit verlor auch die "Abteilung für kulturelle Forschung", die im Persönlichen Stab - zusammen mit einer Abteilung "Ausgrabungen" - bis dahin für diese Institutionen und andere Ambitionen Himmlers in kulturell-historisch orientierten Bereichen war, ihre ideelle Zuständigkeit und schließlich auch ihre organisatorische Basis.
    Nutznießer war die 1935 gegründete "Lehr- und Forschungsgemeinschaft Das Ahnenerbe", die seit Ende des Jahres 1936 dem Persönlichen Stab angegliedert war und ab 1. April 1942 in der Organisationsform eines Amtes zum Persönlichen Stab gehörte [27]. Wirtschaftlich unterstand das "Ahnenerbe" allerdings seit 1938 ebenfalls dem SS-Verwaltungsamt.

    Das "Ahnenerbe" - mit Himmler als Präsident an der Spitze - hatte satzungsgemäß die Aufgabe, "Raum, Geist, Tat und Erbe des nordrassischen Indogermanentums zu erforschen, die Forschungsergebnisse lebendig zu gestalten und dem Volke zu vermitteln". Zielvorstellungen, das "Ahnenerbe" zum "Sammelbecken für alle kulturellen Bestrebungen des Reichsführers-SS" zu machen, wurden durch Himmlers Führungsstil indessen dadurch in Frage gestellt, "daß er nicht unbedingt alles im 'Ahnenerbe' vereinigen wolle, um nicht zu viel wichtige und wesentliche Dinge an einer Stelle zu konzentrieren" [28]. Über die frühe Konzeption hinaus versuchte sich das "Ahnenerbe" im Laufe seiner komplizierten, die geistige Verirrtheit und Verworrenheit von Himmlers Ideologie und Wissenschaftsvorstellungen prägnant dokumentierende Geschichte als ebenso skurrile wie den NS-Herrschaftsvorstellungen ganz konkret dienstbare Forschungsstätte für verschiedenste Bereiche der "Kultur-" und Naturwissenschaften. Während des Krieges dehnte es seine Tätigkeit weiter aus, z.B. in Form des sogenannten "Germanischen Wissenschaftseinsatzes" in den besetzten "germanischen" Ländern. Für seine publizistische Tätigkeit verfügte es über einen Ahnenerbe-Stiftungs-Verlag.

    In unmittelbare Verstrickung mit den menschenverachtenden und verbrecherischen Praktiken des NS-Regimes geriet das "Ahnenerbe" schließlich durch das ihm angegliederten "Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung", dessen Errichtung Himmler persönlich befohlen hatte. Unter dem Deckmantel angeblich kriegswichtiger Forschungen wurden an Konzentrationslager-Häftlingen grausame Versuche vorgenommen, die mit den Namen beteiligter Ärzte wie z.B. Dr. Siegmund Rascher verknüpft sind. Pervertierte "Forschung" betrieb Prof. Dr. August Hirt an der Reichsuniversität Straßburg mit seinen anthropologischen Untersuchungen an Schädeln und Skeletten zuvor in Auschwitz getöteter "jüdisch-bolschewistischer Kommissare" [29].

    Ein "Kulturobjekt", das außerhalb der Zuständigkeit des "Ahnenerbe" blieb, war die in Ostwestfalen gelegene Wewelsburg, mit der Himmler dem Ordensgedanken der SS eine bleibende Kultstätte zu schaffen gedachte [30]. Um ihren Ausbau blieb Himmler, bis hin zur Bepflanzung des Burghangs mit Walnußbäumen, persönlich besorgt. Organisatorisch wurde auch sie in einem Amt beim Persönlichen Stab verankert.

    Ein weiteres Amt im Persönlichen Stab, das einen Verein repräsentierte, war das Amt Lebensborn. Der Verein "Lebensborn" war 1936 gegründet worden und hatte - entgegen nach Kriegsende publizierten, auf eine besondere Neugierde der damaligen Leserschaft abhebenden Unsinnigkeiten über "SS-Zuchtanstalten" - satzungsgemäß den Zweck, ganz im Sinne der NS-Rassenideologie und -Bevölkerungspolitik "rassisch und erbbiologisch wertvolle" kinderreiche Familien zu unterstützen und ledigen Müttern behilflich zu sein [31]. Zu deren Unterbringung wurden besondere Heime eingerichtet. In eine direkt schuldhafte Rolle geriet der "Lebensborn" während des Krieges als betreuende Organisation für "rassisch wertvolle" Kinder, deren Eltern verfolgt, in Konzentrationslager verbracht oder getötet worden waren; zu ihnen zählten beispielsweise die Kinder der Einwohner von Lidice und Lezáky, die im Zuge der Vergeltungsmaßnahmen für das Attentat auf Reinhard Heydrich erschossen oder in Konzentrationslager eingewiesen worden waren, und Kinder, deren Eltern als Angehörige der tschechischen Widerstandsbewegung hingerichtet worden waren [32].

    Die Pressebeobachtung war ein frühes Anliegen Himmlers. Das spätere Amt Presse im Persönlichen Stab hatte die Aufgabe, Himmler über Pressenachrichten auf dem Laufenden zu halten. Darüber hinaus oblagen ihm die Zusammenarbeit mit Presselenkungsstellen von Partei und Staat, gewisse Zensuraufgaben sowie der Aufbau von Wort- und Bilddokumentationen. Das Amt bereitete u.a. auch ein "Organisationsbuch der SS" vor, da nach dem Urteil seines Leiters "nur sehr wenige SS-Führer einen vollständigen Überblick über die Organisation des Arbeitsbereichs des Reichsführers-SS im einzelnen haben [33].

    Zur Wahrnehmung von Aufgaben, die Himmler im Rahmen des 2. Vierjahresplans zugekommen waren, wurde ein "Amt Vierjahresplan" im Persönlichen Stab geschaffen. Es hatte mitzuarbeiten bei der Beschaffung von Arbeitskräften, bei der Bewirtschaftung von Bau- und Rohstoffen, bei energiewirtschaftlichen Problemen und bei einschlägigen Forschungsarbeiten. Im Jahre 1942 wurde es "stillschweigend" aufgelöst und in das "Rohstoffamt" eingebracht [34], das aus dem Stabsamt des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums hervorgegangen war [35].

    Eine sehr frühe Dienststelle, die Himmler bleibend mit dem Persönlichen Stab organisatorisch verknüpfte, war das von Dr. Ernst Robert Grawitz bis Kriegsende geleitete Amt "Reichsarzt SS und Polizei". Grawitz ist weniger bekannt geworden als Dr. Karl Gebhardt, der Chefarzt des SS-Lazaretts Hohenlychen, in dessen Behandlung Himmler sich sehr häufig begeben hat und der als "Oberster Kliniker beim Stab Reichsarzt SS und Polizei" firmierte [36]. Endlich sind die "SS-Mannschaftshäuser" zu nennen; sie dienten seit Mitte der 30er Jahre der Zusammenfassung der SS-Angehörigen an den Hochschulen "zur Heranbildung des von der SS benötigten wissenschaftlichen Nachwuchses", wie Himmler 1939 formulierte [37], als er diese Einrichtung dem Rasse- und Siedlungshauptamt entzog und zu einer "Dienststelle der SS im Persönlichen Stab" machte.

    Stellenplänen und Aufgabenbeschreibungen zufolge [38] hatte der Persönliche Stab Reichsführer-SS in den Jahren 1942/44 folgende Gliederung und Besetzung:

    Chef des Persönlichen Stabes Reichsführer-SS
    SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Karl Wolff

    Ämter

    Amt Wewelsburg:
    SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Siegfried Taubert, Burghauptmann der SS-Schule "Haus Wewelsburg"

    Amt Ahnenerbe:
    SS-Oberführer Professor Dr. Walter Wüst, Kurator und Amtschef; SS-Standartenführer Wolfram Sievers, Reichsgeschäftsführer und stellvertretender Amtschef

    Amt Lebensborn:
    SS-Standartenführer Max Sollmann, Vorstand und Amtschef

    Amt/Abt. Presse:
    SS-Obersturmbannführer Gerhard Radke, später SS-Obersturmführer Otto Behrendt

    Amt München:
    SS-Standartenführer Professor Karl Diebitsch (Bearbeitung aller künstlerischen und architektonischen Fragen in Verbindung mit dem SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt)

    Amt Rohstoffe/Rohstoffamt:
    SS-Standartenführer Albert Kloth

    Amt für Volkstumsfragen:
    SS-Brigadeführer Erich Cassel, Amtschef und Verbindungsführer zur Reichsleitung der NSDAP und den Dienststellen des Reichsführers-SS
    Zentralinstitut für optimale Menschenerfassung:
    SS-Obersturmbannführer Dr. Albert Bartels (Statistische und praktische Auswertung der gesamten "Menschenerfassung" in SS und Polizei)

    Amt Stabsführung:
    Stabsführer SS-Oberführer Otto Ullmann, ab Februar 1943 SS-Standartenführer Paul Baumert (zuständig für alle internen Angelegenheiten des Stabes und der Ämter)
    mit den unmittelbar unterstellten

    Hauptabteilungen:

    SS-Adjutantur:
    SS-Obersturmbannführer Werner Grothmann

    Polizei-Adjutantur:
    Oberstleutnant der Schutzpolizei Willy Suchanek und SS-Hauptsturmführer Martin Fälschlein

    Persönliches Referat Reichsführer-SS:
    SS-Standartenführer Dr. Rudolf Brandt, Ministerialrat, Persönlicher Referent des Reichsführers-SS und Reichsminister des Innern

    Sachbearbeiter Chef Persönlicher Stab (S.B.Ch.P.):
    SS-Obersturmführer Heinrich Heckenstaller

    Orden und Gäste:
    SS-Standartenführer Hans von Uslar, später SS-Sturmbannführer Dr. Helmut Fitzner

    Verwaltung:
    SS-Hauptsturmführer Oskar Winzer, später SS-Obersturmbannführer Christian Mohr (Verwaltung des Stabes und der unterstellten Ämter)

    Wirtschaftliche Hilfe:
    SS-Sturmbannführer Dr. Helmut Fitzner (Entschuldungs- und Darlehensangelegenheiten für die SS)

    Personal:
    SS-Hauptsturmführer Fritz Breitfeldt

    SS-richterlicher Verbindungsführer:
    SS-Standartenführer Horst Bender

    Der Beauftragte für das Diensthundewesen beim Reichsführer-SS:
    SS-Oberführer Franz Mueller (Darß) (Diensthundefragen der Waffen-SS und Polizei beim Reichsführer-SS)
    und

    Abteilungen:
    -

    Auszeichnungen und Orden (unterstellt der SS-Adjutantur; Bearbeitung hoher Auszeichnungen in Waffen-SS und Polizei)
    -

    Schriftgutverwaltung und Geschäftszimmer (Schriftgut-Registrierung und -Verwahrung)
    -

    Nachrichtenstelle (Überwachung der gesamten Nachrichtenmittel der Berliner Dienststelle des Reichsführers-SS)
    -

    Fahrdienst
    -

    Kommandeur der Stabsabteilung der Waffen-SS (Führung und Betreuung sämtlicher zum Persönlichen Stab versetzten Waffen-SS-Angehörigen).

    In dieser Übersicht ist eine Reihe von weiteren Einrichtungen noch erwähnt, die Himmler persönlich unterstanden, im Persönlichen Stab "bearbeitet" wurden und dort aktenmäßig belegt sind. Dazu zählten z.B. der Reichsführer-SS Persönlicher Stab, Abteilung F, SS-Lager Dachau - Haus 13, Ernährungswissenschaftliches Versuchsgut. Leiter war Dr. Karl Fahrenkamp; seine Aufgabe bestand vor allem in der Entwicklung von Präparaten u.a. zur Förderung des Pflanzenwachstums. Etwa 1940 wurde die Dienststelle Inspekteur für Statistik eingerichtet. Sie führte ab Januar 1944 die Bezeichnung Statistisch-wissenschaftliches Institut des Reichsführers-SS, wurde von Dr. Richard Korherr geleitet und war mit der Anfertigung statistischer Arbeiten für Himmler beauftragt. Zu nennen in diesem Zusammenhang sind noch ad hoc gebildete Sondereinrichtungen wie der Beauftragte des Reichsführers-SS im Stab des Sonderbeauftragten für die Überprüfung des zweckmäßigen Kriegseinsatzes, General von Unruh, SS-Standartenführer Harro With, und der Reichsführer-SS Sonderstab Oberst Streck, der Zuschriften über Mißstände in Dienststellen und Truppen zu verfolgen hatte. Einem weiteren der zahllosen Interessenbereiche Himmlers, dem der Erschließung von Rohstoffen im Kriege, ist wohl zuzuschreiben, daß er nicht nur sehr persönlich z.B. um die Zucht von Karakulschafen und perennierendem Roggen oder um die Gewinnung von Ölschiefer besorgt war, sondern daß er sich von Göring offiziell zum Sonderbeauftragten für alle Fragen des Pflanzenkautschuks ernennen ließ [39]. Mit großem Aufwand wurden in den besetzten polnischen und sowjetischen Gebieten Anbauversuche mit Kok-Sagys, einer im europäischen Rußland vorkommenden Pflanze, unternommen, um daraus für die deutsche Kriegswirtschaft verwertbare Mengen von Naturgummi zu gewinnen.

    Die Geschäfte des Persönlichen Stabes im engeren Sinne führte das Amt Stabsführung mit den unterstellten Hauptabteilungen und Abteilungen. Die anderen Ämter - das Amt für Volkstumsfragen und das Zentralinstitut für optimale Menschenerfassung (mit Aufgaben statistischer Arbeitskräfteerfassung unter Anwendung des Hollerith-Verfahrens), die erst gegen Kriegsende errichtet wurden und anscheinend ohne Bedeutung und Aktenniederschlag blieben, wurden nur der Vollständigkeit wegen aufgeführt - gehörten zum Persönlichen Stab, hatten jedoch getrennte Dienstsitze und eigene Registraturen.

    Die wichtigsten Organisationseinheiten im Amt Stabsführung waren die Hauptabteilungen Persönliches Referat Reichsführer-SS und S.B.Ch.P. (Sachbearbeiter Chef Persönlicher Stab) sowie die Adjutanturen. Der Beauftragte für das Diensthundewesen arbeitete außerhalb der Dienststelle Persönlicher Stab. Der SS-richterliche Verbindungsführer befand sich zwar stets in der Umgebung Himmlers, führte jedoch seine Amtsgeschäfte getrennt vom Amt Stabsführung; seine Registratur ging in die Schriftgutverwaltung des Persönlichen Stabes nicht ein [40].

    Die wesentliche Aufgabe Wolffs als Chef des Persönlichen Stabes bestand darin, Himmler als engster Mitarbeiter und Vertrauter bei seinen Führungsaufgaben zu unterstützen. Durch die Ernennung zum Verbindungsführer des Reichsführers-SS bei Hitler am 26. August 1939 wandelte sich seine Funktion. Er hielt sich nunmehr in unmittelbarer Umgebung Hitlers, d.h. auch in dessen Feldquartieren auf. Ohne eine fachliche Kompetenz zu haben, sollte er Himmler über die Entwicklung im Führerhauptquartier auf dem Laufenden halten und für Rückfragen aus dem Führerhauptquartier zur Verfügung stehen. Die dem Chef Persönlicher Stab unmittelbar zuarbeitende Stelle war die Hauptabteilung S.B.Ch.P. (Sachbearbeiter Chef Persönlicher Stab). Der Amtsinhaber oder einer seiner Mitarbeiter hatte jeweils bei Wolff im Führerhauptquartier Dienst zu tun [41].

    Als Wolff im Februar 1943 schwer erkrankte, übernahm Himmler die Führung des Hauptamtes Persönlicher Stab zunächst "bis auf weiteres" selbst. Wolff kehrte in diese Position nicht mehr zurück; nach seiner Genesung im Sommer 1943 bereitete er sich auf seine Funktion in Italien vor [42]. Himmler ernannte keinen neuen Chef des Persönlichen Stabes, sondern nahm diese Funktion auch weiterhin selbst wahr. Die Hauptabteilung S.B.Ch.P. löste er auf.

    Der engste Mitarbeiter Himmlers war nach Wolff, insbesondere seit Wolffs Ernennung zum Verbindungsführer bei Hitler und schließlich zum Höchsten SS- und Polizeiführer in Italien, sein persönlicher Referent Dr. Rudolf Brandt. Dessen ohnehin großes Aufgabengebiet erweiterte sich mit der Ernennung Himmlers zum Reichsminister des Innern um die Bearbeitung von Aufgaben auch aus dem Bereich dieses Ministeriums. Brandt arbeitete stets in der unmittelbaren Nähe Himmlers. Seine Befugnisse reichten über die eines persönlichen Referenten, der Himmler auch auf Reisen begleitete und z.B. als ausgebildeter Stenograph die Reden Himmlers aufnahm, weit hinaus. Er entschied darüber, welche Post Himmler vorgelegt wurde oder nicht, hielt täglich Vortrag über anliegende Probleme, setzte Weisungen des Reichsführers-SS selbständig um und wehrte Anliegen ab, wenn sie vom Inhalt oder Zeitpunkt her als Himmler nicht vorlegbar erschienen. Auch ohne die Entscheidungen Himmlers persönlich einzuholen, konnte er in Einzelfällen dessen Entscheidung oder Meinung als gegeben voraussetzen und entsprechend handeln.

    Die Polizeiadjutanten hatten im wesentlichen "vortragende" bzw. "übermittelnde" Funktionen. Die Polizeiadjutantur war die Geschäftsstelle der beiden Verbindungsführer des Reichssicherheitshauptamtes und des Hauptamtes Ordnungspolizei. Suchanek befand sich im Kriege stets in Himmlers Feldkommandostelle, während Fälschlein den Dienst in Berlin versah. Im Unterschied zu der Polizeiadjutantur übte die SS-Adjutantur neben der Aufgabe der Adjutanten, den Reichsführer-SS zu "begleiten", auch sachbearbeitende Tätigkeit wie Terminfestlegungen, Reisevorbereitungen, Bearbeitung von Einladungen, Glückwünschen und Geschenken aus. Sie bearbeitete außerdem sachliche und personelle Angelegenheiten der Waffen-SS, hielt Kontakt zum SS-Hauptamt und SS-Führungshauptamt sowie zu den Fronteinheiten der Waffen-SS. In München, Karlstraße 10, unterhielt die SS-Adjutantur eine Zweigstelle, besetzt mit SS-Hauptsturmführer Schnitzler. Dienstsitz des Persönlichen Stabes war das Gebäude Prinz Albrecht-Straße 8 in Berlin, das zugleich Dienstsitz Himmlers als Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern sowie des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD (Reichssicherheitshauptamt) war [43].

    Im Kriege arbeitete Himmler sehr häufig in verschiedenen "Feldkommandostellen". Zu den beständigsten Aufenthaltsorten zählte die Feldkommandostelle "Hochwald" in einem Wald bei Großgarten in Ostpreußen, ca. 40 km entfernt vom Führerhauptquartier "Wolfsschanze" [44]. Kommandant der Feldkommandostelle Reichsführer-SS und für deren Sicherheit verantwortlich war der SS-Obersturmbannführer Josef Tiefenbacher. Ihm unterstanden die SS- und Polizei-Begleiteinheiten sowie der Sonderzug "Steiermark", Himmlers rollende Feldkommandostelle, der ihn zu den gewünschten Zielorten brachte oder ihn auch Hitlers Sonderzug folgen ließ. Dies geschah beispielsweise nach dem deutschen Einmarsch in Jugoslawien im April 1941, als Himmlers Sonderzug in Hitlers Nähe in Bruck/Murr abgestellt wurde. Seine Autokolonne hatte die Bezeichnung "Sonderzug Heinrich". In der Nähe von Hitlers Führerhauptquartier "Wehrwolf" bei Winniza in der Ukraine hatte Himmler seine Feldkommandostelle "Hegewald" in einem volksdeutschen Siedlungsgebiet südlich von Shitomir errichtet.

    Die zunehmenden Luftangriffe auf Berlin machten es nötig, Ausweichquartiere außerhalb der Stadt zu suchen. Diese nahmen offenbar größere Bereiche der Dienststelle auf und verfügten über Einrichtungen, die der Sicherheit Himmlers und seines engeren Mitarbeiterstabes auch bei längerer Anwesenheit gerecht werden konnten. Das größte und systematisch ausgebaute Objekt war anscheinend die Ausweichstelle "Birkenwald" bei Prenzlau (Uckermark). Auf einem von der Stadtverwaltung überlassenen Areal von ca. 290.000 m 2 mit einigen festen Gebäuden erfolgten Ausbauten bis in die letzten Kriegsmonate; die Verlegung eines Anschlußgleises für den Sonderzug "Steiermark" befand sich im November 1944 noch im Planungsstadium. Die Ausweichstelle hatte auch Unterkünfte für Himmler, seinen persönlichen Referenten und die Adjutanten. Für das Jahr 1944 ist in den Akten des Persönlichen Stabes die Existenz der Ausweichstellen "Bergwald" und "Tannenwald" nachgewiesen, ebenso auch für März 1945 das Ausweichlager "Frankenwald" in Bad Frankenhausen (Krs. Sondershausen/Thüringen) [45].
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    [1] Vgl. die Angaben des Statistisch-wissenschaftlichen Instituts des Reichsführers-SS in NS 19/1471.
    [2] Vgl. Hans Buchheim , Die SS - Das Herrschaftsinstrument. Befehl und Gehorsam (Anatomie des SS-Staates, Bd. 1), Olten und Freiburg i. Br 1965.
    [3] SS-Befehl Nr. 20 vom 1. 12. 1930 (NS 19/1934).
    [4] SA-Befehl Nr. 1 (gleichzeitig für SS) vom 16. 1. 1931 (NS 19/1934).
    [5] Verfügung Hitlers vom 20. 7. 1934 bei Gerd R ü hle , Das Dritte Reich, 1934, S. 237.
    [6] Stabsbefehl vom 12. 5. 1931 (NS 19/1934).
    [7] Vgl. Shlomo Aronson , Reinhard Heydrich und die Frühgeschichte von Gestapo und SD, Stuttgart 1971 sowie B uchheim (oben Anm. 3).
    [8] Vgl. Das Bundesarchiv und seine Best ä nde , hrsg. von Gerhard Granier, Josef Henke, Klaus Oldenhage, 3. Aufl., Boppard 1977, S. 41 ff., 51 und 53.
    [9] Bundesarchiv-Bestand NS 31.
    [10] SS-Hauptamt, Stabsbefehl Nr. 6 (NS 31/70). In einem Befehl zur Umbildung der Reichsführung-SS vom 9.2.1934 hatte Himmler für seinen Stab mit den Abteilungen I. Adjutantur, II. Personalabteilung, III. Gerichtsabteilung, IV. Revisionsabteilung und V. Pressabteilung lediglich die Dienstbezeichnung "Der Reichsführer-SS" verfügt (NS 17/135, Kopie in NS 19/4041).
    [11] Befehl vom 1.6.1939 (NS 19/3901); Restakten des SS-Personalhauptamtes im Bundesarchiv-Bestand NS 34.
    [12] Ebenfalls Befehl vom 1.6.1939 (ebd.); Bundesarchiv-Bestand NS 7.
    [13] Befehl vom 20.4.1939 (NS 19/1166).
    [14] Befehl vom 19.1.1942 (NS 19/3904); Bundesarchiv-Bestand NS 3.
    [15] Befehle vom 15.8.1940 und 5.9.1940 (NS 19/3903); erhalten gebliebene Akten des SS-Führungshauptamt im Bundesarchiv-Bestand NS 33.
    [16] Vgl. Befehl Himmlers vom 12.1.1941 (NS 19/3903), ferner Schreiben des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an den Reichsminister der Finanzen vom 7.11.1941 (R 2/12745).
    [17] Unterlagen über persönliche und privatdienstliche Angelegenheiten Wolffs finden sich in NS 19/3456 sowie in den weiteren unten in Abschnitt B. 2 beschriebenen Archivalieneinheiten; dazu auch das Wolff betreffende Dossier (Kopien) in den Unterlagen des Freundeskreises Reichsführer-SS in NS 48/81.
    [18] NS 19/3901. Himmler gab den Wortlaut des Befehls in einer - lange als unvollständig überliefert geltenden - Rede anläßlich der SS-Gruppenführertagung am 8.11.1936 in Dachau bekannt (NS 19/4003; vgl. auch Anm. 72).
    [19] NS 19/3902.
    [20] Siehe die Wolff betreffenden Unterlagen des Freundeskreises Himmler (Kopien) in NS 48/81.
    [21] NS 19/2881.
    [22] Gunther d'Alquen , Die SS. Geschichte, Aufgabe und Organisation der Schutzstaffeln der NSDAP, Berlin 1939, S. 24.
    [23] Die erhalten gebliebenen Akten der SS-Helferinnenschule Oberehnheim befinden sich im Bundesarchiv-Bestand NS 32 II.
    [24] Vgl. Anmerkung 23.
    [25] Vgl. dazu z.B. die unten in Abschnitt B.1.6 beschriebenen Archivalien.
    [26] Vgl. Klaus Gruna , Die Externsteine können sich nicht wehren, in: Menschen, Landschaft und Geschichte, hrsg. von Walter Först, Köln und Berlin 1965, S. 239-249.
    [27] Überlieferung des "Ahnenerbes" im Bundesarchiv-Bestand NS 21. - Vgl. Michael H. Kater , Das "Ahnenerbe" der SS 1935-1945. Ein Beitrag zur Kulturpolitik des Dritten Reiches, Stuttgart 1974.
    [28] Aktennotiz des Reichsgeschäftsführers des "Ahnenerbes", Wolfram Sievers, vom 4.11.1937 über einen Besuch Pohls im "Ahnenerbe" am 2.11.1937 (NS 21/779).
    [29] Vgl. u.a. Reinhard Henkys , Die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen, Stuttgart und Berlin 1964, S. 66, 69 f., 247. Sievers wurde wegen der verbrecherischen Tätigkeit des Instituts im Nürnberger Ärzteprozeß zum Tode verurteilt und hingerichtet. Hirt ist seit Kriegsende verschollen. Rascher wurde noch auf Befehl Himmlers wegen einer Kindesunterschiebung hingerichtet.
    [30] Vgl. Heiner Lichtenstein , Wo Himmler residieren wollte, in: Menschen, Landschaft und Geschichte (oben Anm. 29), S. 115-128 und Karl H ü ser , Wewelsburg 1933 bis 1945. Kult- und Terrorstätte der SS. Eine Dokumentation, Paderborn 2. Aufl. 1987.
    [31] Vgl. Georg Lilienthal , Der "Lebensborn e.V." Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik, Stuttgart, New York 1984.
    [32] Vgl. den Schriftwechsel zur Unterbringung tschechischer Kinder 1943-1944 (NS 19/375) sowie Marc Hillel und Clarissa Henry , Lebensborn e.V. Im Namen der Rasse, Wien, Hamburg 1975.
    [33] Rechenschaftsbericht des Amtschefs vom 1.11.1942 (NS 19/2985).
    [34] Schreiben des SS-Standartenführers Kloth an SS-Obergruppenführer Wolff vom 3. 8. 1942 (NS 19/349).
    [35] Aktenvermerk von SS-Standartenführer Kloth vom 4.10.1943 zur. Errichtung der Dienststelle m.W. vom 15.1.1942 und Schreiben des Rohstoffamtes an die Verwaltung des Persönlichen Stabes vom 22.9.1943 (NS 19/1786).
    [36] Vgl. Henkys (oben Anm. 36), sowie Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals under Control Council Law No. 10, Vols. 1-2, Washington, D. C. 1950, und Alexander Mitscherlich und Fred Mielke (Hrsg.), Medizin ohne Menschlichkeit. Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses, Heidelberg 1949.
    [37] SS-Befehl vom 12.2.1939 (NS 19/3901).
    [38] NS 19/2881.
    [39] Ernennungsschreiben vom 9.7.1943 (NS 19/1802).
    [40] Überlieferungsreste im Bundesarchiv-Bestand NS 7.
    [41] Anklageschrift der Staatsanwaltschaft beim Landgericht München II im Strafverfahren gegen Karl Wolff; vgl. auch Anmerkung 22.
    [42] Zur Übernahme des Persönlichen Stabs durch Himmler selbst siehe NS 48/81; zu Wolffs späterer Verwendung in Italien vgl. auch NS 19/3456.
    [43] Vgl. Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt auf dem "Prinz-Albrecht-Gelände". Eine Dokumentation, hrsg. von Reinhard Rürup, Berlin 8. Aufl. 1991.
    [44] Vgl. Peter Hoffmann , Die Sicherheit des Diktators, München 1976, S. 219.
    [45] Die Errichtung von Ausweichstellen dokumentieren im wesentlichen die unten in Abschnitt A. 1 beschriebenen Archivalien sowie weitere verstreute, über die Indices greifbare Unterlagen. Zu Birkenwald siehe vor allem NS 19/2888, 3273, 2211 und 1518.


    2. Bestandsgeschichte und Überlieferungslage

    Die bei den Dienststellen des Persönlichen Stabs Reichsführer-SS entstandene Aktenüberlieferung teilt im wesentlichen das andernorts beschriebene allgemeine Schicksal deutscher zeitgeschichtlicher Quellen in Kriegs- und Nachkriegszeit [1].

    Aktenverluste als Folge von Luftangriffen im November 1943 sind in Akten des Persönlichen Stabes mehrfach belegt. Das Dienstgebäude Prinz-Albrecht-Str. 8 ist im Februar 1945 von Bomben zerstört worden [2]; Angehörige der sowjetischen und U.S.-amerikanischen Besatzungsmacht sollen nach Kriegsende noch Akten aus den - später restlos abgetragenen - Gebäuderuinen geborgen haben [3].

    Nachrichten über das Schicksal der Akten des Persönlichen Stabes bei Kriegsende liegen im übrigen nicht vor, auch nicht darüber, wo die jetzt im Bundesarchiv verwahrten Überlieferungen von U.S.-amerikanischen Truppen erbeutet worden sind. Erste Nachricht vermittelt ein Aktenverzeichnis des "7771 Document Center OMGUS", des nachmaligen und bis 1994 bestehenden U.S.-Document Center in Berlin-Zehlendorf, das nach dem Stand vom Juli 1948 einen "an andere Stelle abgegebenen" Bestand Persönlicher Stab Reichsführer-SS im Umfang von 2,5 t nachweist. Er war den Anklagebehörden der Nürnberger Kriegsverbecherprozesse zur Verfügung gestellt worden [4]. Bei der Aufbereitung der Akten für Prozeßzwecke wurden in Nürnberg zahlreiche und umfangreiche "Personalvorgänge" den Akten des Persönlichen Stabes entnommen und Führerpersonalakten des SS-Personalhauptamtes hinzugefügt. Während diese später an das Document Center in Berlin zurückkamen und - vermindert um Entnahmen z.B. für die im Document Center gegen alle archivischen Provenienzprinzipien nach sachthematischen Gesichtspunkten gebildete "Sammlung Schumacher", die im Jahre 1962 in das Bundesarchiv gelangte - bis zur Übernahme des Document Center durch das Bundesarchiv im Sommer 1994 [5] in dessen Gewahrsam verblieben, wurde die auch noch durch weitere Entnahmen für Prozeßzwecke reduzierte Überlieferung des Persönlichen Stabes während der Berliner Blockade 1948/49 in die USA überführt.

    Im Gemenge mit anderen Überlieferungen aus dem Befehlsbereich des Reichsführers-SS [6] wurde sie im Zuge der allgemeinen Rückführung beschlagnahmter deutscher Archivalien aus britischem und amerikanischem Gewahrsam im Jahre 1962 von den National Archives in Washington dem Bundesarchiv in Koblenz übergeben. Sie bildet seitdem den Bundesarchiv-Bestand NS 19. Nach der Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990 und der Vereinigung der ehemaligen zentralen staatlichen Archive der DDR mit dem Bundesarchiv gelangten die Archivalien des Persönlichen Stabes zusammen mit den übrigen staatlichen und parteiamtlichen Beständen des Bundesarchivs aus der Zeit vor 1945 in die Zuständigkeit der neu eingerichteten Abteilung "Deutsches Reich" des Bundesarchivs, die zunächst in Potsdam ansässig war, seit 1996 Teil der Dienststelle des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde ist.

    Eine Ergänzung fand die Überlieferung des Persönlichen Stabes im Bundesarchiv durch eine im Document Center gebildete und ebenfalls 1962 an das Bundesarchiv abgegebene "Collection Himmler" [7]. Sie enthielt persönliche Papiere Himmlers, die im Bundesarchiv, vervollständigt um einen Mikrofilm in der Hoover Institution verwahrter Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1914-1924 [8], den Nachlaß Himmlers bilden [9]. Der überwiegende Teil der Collection bestand jedoch aus Schriftgut des Persönlichen Stabes und der SS-Adjutantur, das dem Aktenbestand Persönlicher Stab Reichsführer-SS hinzugefügt wurde. Darunter sind Notizen und Aufzeichnungen über Termine und Telefongespräche Himmlers besonders hervorhebenswert. [10] Schließlich konnten im Bundesarchiv auch die zuvor im Document Center in die "Sammlung Schumacher" gelangten Akten des Persönlichen Stabs wieder mit dem Hauptbestand in NS 19 vereinigt werden. Das gilt auch für jene Teile aus einer umfänglichen, im Document Center vor der Überführung des Bestandes in die USA angelegten Kopiensammlung von Schriftgut des Persönlichen Stabs, deren "originale" Vorlagen im Bestand nicht mehr nachweisbar sind oder noch nicht nachgewiesen werden konnten.

    Die Identifizierung der Kopien mit den dazugehörigen Vorlagen erwies sich vor allem deshalb als sehr zeitaufwendig, da die innere Struktur der zumeist aus kompilierten Einzelstücken bestehenden Kopiensammlung sich von der für den Aktenbestand gefundenen bzw. neu erstellten Ordnung grundlegend unterschied. Die übrig gebliebenen, d.h. anhand von "Originalen" nicht identifizierbaren Kopien wurden schließlich als solche dem Bestand zugeordnet, ihre Überlieferungsform als Kopien wurden als Bemerkung festgehalten. Für die Mehrzahl dieser Restkopien, darunter auch die wenigen größeren zusammenhängenden Vorgänge [11], ist davon auszugehen, daß die entsprechenden "Originale" vor der Rückführung aus den USA verloren gingen, bzw. aus heute nicht mehr nachzuvollziehenden Gründen von der Rückführung ausgenommen wurden oder einfach, wie viele andere deutsche zeitgeschichtliche Quellen auch, als verschollen gelten müssen. In Einzelfällen ist hingegen auch eine Doppelüberlieferung nicht auszuschließen; die "Originale" der als Kopien verzeichneten Unterlagen mögen sich noch an unvermuteter Stelle im Bestand befinden, sie unter allen Umständen finden zu wollen, hätte einen unvertretbaren Auswand erfordert.

    Im Zuge der Überarbeitung und Aufstockung des Gesamtbestandes im August 2007 durch Befehle, Anordnungen und Verfügungen der einzelnen Dienststellen im Persönlichen Stab des Reichsführers-SS sowie von Kommandobehörden der Waffen-SS und einzelne Einheiten der SS-Oberabschnitte betreffemdem Schriftgut, konnte die bisher bestehende Sammlung in ihrer Bestandsbreite weiter ausgebaut werden. Weiterhin erfolgte die Aufnahme von Tätigkeitsberichten und teilweise personenbezogenen Dokumentationen der Höheren SS- und Polizeiführer sowie Bekanntmachungen, Erlasse und Befehle in Bezug auf kulturelle und weltanschauliche Angelegenheiten der Volkstums- und Umsiedlungspolitik.
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    [1] Vgl. zum allgemeinen Aspekt Josef Henke , Das Schicksal deutscher zeitgeschichtlicher Quellen in Kriegs- und Nachkriegszeit. Beschlagnahme-Rückführung-Verbleib, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 30 (1982), S. 557-617.
    [2] Vgl. Topographie des Terrors (Anm. 51), S. 178 ff. sowie Gerald Reitlinger , Die SS, München 1957, S. 55.
    [3] Feststellungen von Angehörigen des damaligen Hauptarchivs (ehem. Preußischen Geheimen Staatsarchivs) in Berlin-Dahlem.
    [4] Zur Verwendung beschlagnahmter deutscher Akten für die Nürnberger Prozesse siehe Henke (Anm. 54), S. 570-577.
    [5] Vgl. Dieter Kr ü ger , Das ehemalige "Berlin Document Center" im Spannungsfeld von Politik, Wissenschaft und öffentlicher Meinung, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 45 (1997), S. 49-74.
    [6] Guides to German Records Microfilmed at Alexandria/Va ., Bde. 32, 33., vgl. auch Heinz Boberach , Die schriftliche Überlieferung der Behörden des Deutschen Reiches 1871-1945. Sicherung, Rückführung, Ersatzdokumentation, in: Aus der Arbeit des Bundesarchivs (oben Anm. 1), S. 50-61, hier: S. 57.
    [7] Vgl. NSDAP Hauptarchiv, Guide to the Hoover Institution Microfilm Collection, compiled by Grete Heinz and Agnes F. Peterson , Hoover Institution Bibliographical Series XVII, Stanford 1964, S. 144-149.
    [8] Vgl. Werner T. Angress and Bradley F. Smith , Diaries of Heinrich Himmler's Early Years, in: The Journal of Modern History, Vol. XXXI, No. 3, 1959, S. 206-224.
    [9] Bundesarchiv-Bestand N 1126.
    [10] Siehe die unten in den Abschnitten B.1.3 und B.3 beschriebenen Archivalien.
    [11] [(NS 19/539) und in der Ukraine 1942-1945 (NS 19/544).


    3. Registraturverhältnisse

    Für die Schriftgutverwaltung des Persönlichen Stabes war dessen Abteilung "Schriftgutverwaltung" verantwortlich. Eine "Schriftgutverwaltungsordnung" regelte "Aktenanlage und -Aufbewahrung" [1]. Der Ablageplan sah eine Unterteilung des Schriftgutes in vier Kategorien vor: Personelle Ablage (rot), Sachliche Betreff-Ablage (blau), Sonderablage (grün), Befehlsablage (gelb). Die Kennzeichnung der Vorgänge erfolgte innerhalb eines Stempelaufdrucks: Persönlicher Stab Reichsführer-SS, Schriftgutverwaltung, Akt. Nr. ..., durch handschriftliche Farbeintragungen des Namens (Personelle Ablage) oder der Ablagenummer. Die Zuweisung zu den einzelnen Kategorien, insbesondere die Abgrenzung zwischen "Personeller Ablage" und "Sachlicher Betreff-Ablage" erfolgte häufig inkonsequent, d.h., daß z.B. auch Sachen nach dem Namen von Korrespondenzpartnern abgelegt wurden.
    Sachablagen konnten sowohl zu einem engeren Betreff im Sinne eines "Vorganges" erfolgen, aber auch zu Betreffserien bis zur Anzahl von 25 numerierten Einzelvorgängen anwachsen. Neben offenen Registraturakten wurden auch Geheimakten mit eigenen Registraturmerkmalen und -strukturen geführt. Die Kriegsverhältnisse und insbesondere auch die dezentralisierte Schriftgutführung in den Feldkommandostellen ließen abweichende Formen der Ablage nach einer Kombination von römisch-arabischen Ziffern ohne erkennbaren Sachzusammenhang der einzelnen "Vorgänge" entstehen, z.T. auch - ursprünglich nicht vorgesehene -Korrespondenzakten. Registraturhilfsmittel und nicht erhalten gebliebene Ablagehilfsmittel mögen den Zugriff zu dem nicht besonders hochentwickelten Schriftgutablagesystem einigermaßen gesichert haben.
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    [1] NS 19/2881.


    4. Ordnung und Verzeichnung

    Beschlagnahmevorgänge bei Kriegsende, Aktentransporte zu Aktensammelstellen, Aktenentnahmen und Aktenumschichtungen zu verschiedenen Zwecken (z.B. für die Nürnberger Prozesse und für die biographischen Sammlungen des Document Center in Berlin), Mischungen von Provenienzen und Neubildungen von Akten haben das ohnehin schwache Ordnungssystem nicht unbeeinträchtigt gelassen. Hinzu kommt, daß Akten, die gleichsam auf den Schreibtischen der Dienststellen und Behörden beschlagnahmt wurden, und dazu zählt ein Großteil der bei SS-Dienststellen erbeuteten Unterlagen, sich zumeist in losem Zustand befanden und für Ordnungsstörungen besonders anfällig waren.

    Die in die USA gelangte Überlieferung der SS wurde dort im wesentlichen nach drei Kategorien geordnet: Akten von Kommandobehörden und Truppen der Waffen-SS einerseits und Akten von SS-Oberabschnitten mit unterstellten Einheiten und Einrichtungen andererseits fügte man in getrennten Komplexen mit unterschiedlicher Signierung zusammen. In einer dritten Kategorie führte man, in provenienzmäßiger Überschneidung zu den beiden genannten Kategorien und in einer bunten Provenienz- und Pertinenzmischung (so z.B. Akten staatlicher Behörden mit SS-Betreffen), alle die Akten zusammen, die geeignet erschienen, die SS als Organisation mit ihren vielfältigen Verästelungen darzustellen. Im Federal Records Center, einem Aktendepot in Alexandria, Virginia, bei Washington, D.C., wurden diese Akten - wie zahlreiche andere Überlieferungen ziviler Provenienzen auch - nach einem Schema geordnet, das man auf der Basis eines erbeuteten "Einheitsaktenplans für das OKW und das OKH" entwickelt hatte. Die SS-Akten wurden den EAP (= Einheitsaktenplan)-Sammelgruppen 160-164 (160 = Entwicklung der SS, 161 = Spitzengliederung der SS, 162 = Territoriale Gliederung der SS, 163 = Werbung, Dienst, besondere Angelegenheiten der Allgemeinen SS, 164 = Konzentrationslager und Totenkopfverbände) zugeordnet, innerhalb dieser in eine Sachgruppe mit ein oder zwei Untergruppen. Diese Ordnung wurde in eine alpha numerische Signatur umgesetzt (z.B. EAP 161-c-28-10); die Zählung der Akteneinheiten folgte nach einem Querstrich in der Numerierung 1-N (z.B. EAP 161-c-28-10/1).

    Dieser so gebildete, von den Amerikanern weitgehend verfilmte und schließlich in das Bundesarchiv gelangte Aktenkomplex wurde hier nach Provenienzen aufgeteilt. Erhebliche Teile der Archivalien bilden heute die Bestände NS 31 (SS-Hauptamt), NS 33 (SS-Führungshauptamt) und NS 34 (SS-Personalhauptamt). Beträchtlichen Zuwachs aus dieser Rückgabe erhielten auch die Bestände NS 7 (SS- und Polizeigerichtsbarkeit), NS 3 (SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt), NS 4 (Konzentrationslager), NS 21 (Ahnenerbe), NS 17 (Leibstandarte SS "Adolf Hitler") NS 32 (SS-Helferinnenschule Oberehnheim), NS 2 (Rasse- und Siedlungshauptamt-SS) und NS 48 (Sonstige zentrale Einrichtungen der SS, dabei auch wenige Restunterlagen des Statistisch-wissenschaftlichen Instituts und der SS-Schule "Haus Wewelsburg") sowie - in unterschiedlichem Umfang - zahlreiche weitere Archivalienbestände parteiamtlicher, aber auch staatlicher Provenienzen.
    Unterlagen regionaler SS-Dienststellen und -Einrichtungen, insbesondere von SS-Oberabschnitten und SS-Abschnitten, aber auch von SS-Standarten, - Sturmbannen und -Stürmen gelangten in die zuständigen Staatsarchive der Länder. Die vorgefundenen Akten von Einheiten der Waffen-SS wurden an die Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg i. Br. für die dortige Bestandsgruppe RS abgegeben. Die ursprünglich in der "Befehlsablage", später im Bundesarchiv in einer "SS-Befehlssammlung" vereinigten Befehle, Anordnungen, Verfügungen und Mitteilungen aller zentraler Dienststellen der SS wurden in chronologischen Serien nach Ausstellerprovenienz (Reichsführer-SS, SS-Hauptämter bzw. übrige unterstellte Organisationseinheiten) neu strukturiert und den entsprechenden Provenienzbeständen zugewiesen. Das hatte zur Folge, daß im Bestand NS 19 lediglich noch die besondere Kategorie der so genannten "SS-Befehle" und die vom Reichsführer-SS ohne jeden Zusatz sowie die von den Dienststellen des Persönlichen Stabes selbst erlassenen Befehle, Verfügungen und Anordnungen enthalten sind.

    Das verbliebene Schriftgut des Persönlichen Stabes, seinerzeit dann auch Bestand NS 19 "neu" genannt, zeigte sich, wie ein Blick in die Microfilm-Guides bestätigen kann, als Überlieferung, die zwar zum großen Teil aus formierten Schriftgutverwaltungsakten bestand, aber weder in der überkommenden Ordnung noch Aktenbeschreibung belassen werden konnte. In einem allerdings sehr zeitaufwendigen Arbeitsverfahren, das von der im Hinblick auf die authentische Dokumentation der Geschichte der SS und des NS-Staates gar nicht zu überschätzende Qualität des Bestandes her jedoch voll gerechtfertigt war, wurde, in der Regel ohne Rücksicht auf die originären Akteneinheiten, eine Neuordnung und Neuverzeichnung nach Vorgängen oder Betreffserien - soweit diese in sinnvoller Anlage gebildet worden waren - vorgenommen. Vorrangiges Ziel war, aus größeren Schriftgutkomplexen ohne oder mit nur geringem Sachzusammenhang möglichst sachlich klar definierte und beschriebene Vorgänge zu schaffen. Daß dies nicht selten zu archivisch gebildeten Archivalieneinheiten führte, deren Umfang sehr gering, oft nur minimal ist, mußte dabei in Kauf genommen werden, auch die daraus resultierende Enttäuschung des Benutzers darüber, hinter einem von der Sache her wichtigen Titel lediglich einen aus wenigen Blättern bestehenden Archivalienband zu finden. Umfänglichere Archivalieneinheiten erscheinen in der Regel mit detaillierten "Enthält"- und "Hierin"-Vermerken, so daß deren erschöpfende inhaltliche Beschreibung ebenfalls gewährleistet erscheint.
    Die schon Ende der sechziger Jahre von Elisabeth Kinder begonnene Verzeichnung richtete sich grundsätzlich nach den seinerzeit im Bundesarchiv gültigen, am 15. Januar 1963 in Kraft getretenen "Richtlinien für die Titelaufnahme moderner Akten" (Anweisung für die archivarische Tätigkeit Nr. 29). Die aufgenommenen Laufzeiten der zum größten Teil archivisch neu gebildeten Archivalieneinheiten folgen durchweg dem aktenmäßig zuerst und zuletzt feststellbaren Datum. Abweichungen sind in der Regel kenntlich gemacht. Nur dort, wo es wichtig und vor allem zweckmäßig erschien, vor allem bei Einzeldokumenten, werden auch Monats- und Tagesangaben gemacht. Laufzeiten von aus dem Zeitrahmen des eigentlichen Vorgangs fallenden Anlagen, auch von sonstigen Schriftstücken, die offensichtlich zeitliche "Ausreißer" sind, werden in Klammern, erschlossene Zeitangaben in eckigen Klammern aufgeführt.

    Mit Kassationen wurde bei der Erschließung auch dieses Bestandes von Archivalien des NS-Regimes - abgesehen von Doppelstücken und der Kopiensammlung aus der "Sammlung Schumacher" - mit äußerster Vorsicht umgegangen. Auch in den Fällen, in denen archivfachliche Gründe durchaus eine Kassation nahelegten, entschied man sich grundsätzlich für die Erhaltung der Archivalien. An das bisweilen auch politische Dimensionen berührende Problem der Vernichtung von Akten bedeutsamer Behörden und Dienststellen des NS-Staates, insbesondere wenn diese, wie die der SS und insbesondere des Reichsführers-SS, unmittelbar mit dessen Ideologie und Vernichtungsmaschinerie verknüpft waren, sei in diesem Zusammenhang erinnert. [1]

    Die nach Abschluß der Titelaufnahmen vorgenommene Klassifikation des Bestandes konnte sich nicht, wie z.B. bei einer Vielzahl von Ministerialaktenbeständen, auf vorgegebene Aktenpläne oder andere weit entwickelte Registraturhilfsmittel stützen. Zu finden war daher eine registraturunabhängige sachliche Gliederung, die sich in erster Linie aus der oben beschriebenen Kompetenzstruktur des Persönlichen Stabs, im weiteren Sinne auch aus dem von den verschiedenen Hauptämtern und sonstigen zentralen Dienststellen organisatorisch gekennzeichneten Gesamtaufgabenbereich der Reichsführung der SS begründete. Von der oben skizzierten Registraturordnung sind in großen Zügen lediglich noch die bereits erwähnte "Befehlsablage" (im Abschnitt C.1) und die "Personelle Ablage" (Abschnitte C.2 und C.7.6) erkennbar. Daß diese eher sachlich-fachliche Gliederung von den besonderen, zuweilen absonderlich-skurrilen persönlichen Interessegebieten Himmlers in auffälliger Weise akzentuiert, bisweilen sogar überlagert wird, so in den Bereichen Gesundheitswesen, Rassen- und Bevölkerungspolitik, Wissenschaft, Ernährung, Pflanzenzucht und Erfindungen, gibt dem Bestand seines Persönlichen Stabs eine besondere, von den Überlieferungen der übrigen SS-Hauptämter abweichende, eben "persönliche" Färbung.

    Zwar sind die einzelnen Gliederungsbereiche primär als auf die SS bezogen zu verstehen. Erziehung und Schulung meinen also zunächst Erziehung und Schulung der SS. Wissenschaft steht vor allem für die von der SS betriebene und in ihrem ideologischen Sinne mißverstandene, ja, pervertierte "Wissenschaft". Und Wirtschaft bezieht sich vorrangig auf die SS-Wirtschaftsbetriebe. Unschwer ist jedoch zu erkennen, daß eine Vermengung mit "SS-freien" Dimensionen der Begriffe und Bereiche nicht immer zu vermeiden war. Im Kapitel Finanzen sind neben der Finanzierung der SS auch zum Teil Aspekte der staatlichen Finanzpolitik dokumentiert, neben der Verwaltung und der gänzlich ideologisierten gesundheitspolitischen Vorstellungen der SS betreffen manche Akten eben auch die staatliche Verwaltung, ebenso die staatliche Gesundheitspolitik. Der Abschnitt C.19 (Reichsverteidigung...) betrifft auch die Kriegführung der Wehrmacht neben der breit belegten Aufstellung, Organisation und dem Einsatz von Himmlers Waffen-SS. Letztlich erscheint diese Vermischung aber als ein Spiegelbild der in Himmlers Machtapparat durchweg praktizierten Gemengelage staatlicher und parteiamtlicher, hier also zumeist "SS-mäßiger" Kompetenzen, abgesehen davon, daß eine überzeugende archivische Trennung zumeist nur auf "Blattebene" möglich und damit zu aufwendig gewesen wäre. Querverweise wurden verhältnismäßig sparsam angebracht. Dagegen erscheinen Titel, die für mehrere Sachbereiche zutreffen, im Zweifelsfall mehrfach, also in jedem der jeweils passenden Abschnitte.

    Seit seiner Rückführung in das Bundesarchiv war der Bestand aufgrund der von den Alliierten vor der Rückgabe deutscher Akten von der Bundesregierung erbetenen Offenhaltungserklärung [2] von Anfang an und ständig benutzbar. Und zweifellos gehört er zu den seitdem am häufigsten benutzten Archivalien des Bundesarchivs. In den mehr als drei Jahrzehnten wurde er unverändert stark für alle Benutzungszwecke herangezogen, im wesentlichen natürlich für die historische Forschungen, aber auch für die bis in die späten siebziger Jahre hinein noch zahlreichen in- und ausländische Prozesse wegen NS-Gewaltverbrechen bzw. NS-Kriegsverbrechen. Dies führte nicht nur zu der ungewöhnlich langen Dauer seiner Erschließung - auch die Bearbeitung des Bestandes konnte aus archivfachlichen wie politischen Gründen kein Anlaß sein, die Archivalien zeitweise von der Benutzung auszuschließen - sondern auch zu unterschiedlichen, dem jeweiligen Erschließungszustand entsprechenden Zitierweisen in den zahlreichen Publikationen, zu deren Erstellung er herangezogen war. Neben den vor allem in sehr frühen Publikationen nahezu ausschließlich verwendeten amerikanischen EAP-Signaturen wurden häufig auch die unmittelbar nach der Rückführung, aber noch vor der Verzeichnung vergebenen "alten" NS-19-Signaturen gebraucht, diese ab den späten sechziger Jahren zunehmend zusammen mit den im Laufe der Neuverzeichnung vergebenen NS 19 ("neu")-Signaturen. Nach Abschluß der Verzeichnung, als es nur noch "neue" Signaturen gab, verzichtete man folgerichtig auf den Zusatz "neu", was wiederum in Einzelfällen zu Verwechslungen mit den früher verwendeten "alten" NS 19-Nummern führte, die ja ebenfalls ohne Zusatz "alt" ausgekommen waren.
    Auf eine an sich wünschbare Konkordanz zwischen EAP-, NS 19 ("alt")- und NS 19 ("neu")-Signaturen wurde allerdings verzichtet, ebenso auf den jeweiligen Nachweis der entsprechenden EAP-Signatur bei der Beschreibung der einzelnen neu gebildeten Archivalieneinheiten. Zum einen erlaubt die aufwendig geleistete Detailliertheit und Tiefe der Verzeichnung in aller Regel das Wiederauffinden gesuchter Vorgänge, aber auch einzelner Dokumente, zum anderen hätte die Tatsache, daß in der Mehrzahl der Fälle einer EAP- oder NS 19 ("alt")-Nummer eine Vielzahl - in Einzelfällen bis zu 30 und mehr - von NS 19 ("neu") Signaturen entspricht, und umgekehrt für eine NS 19 ("neu")-Signatur häufig mehrere EAP- oder NS 19 ("alt")-Nummern stehen. Unabhängig davon ist das Bundesarchiv in der Lage, im Bedarfsfall aufgrund interner Konkordanzen und Aufschreibungen den Verbleibsnachweis für solche gesuchte Dokumente zu führen, von denen nur eine amerikanische EAP- oder eine "alte" NS-19-Signatur bekannt ist. Die Anzahl solcher Wünsche ist in den letzten Jahren jedoch deutlich zurückgegangen. Alle seit den achtziger Jahren erschienenen Publikationen verweisen grundsätzlich nur noch auf die neu vergebenen Signaturen, so daß Probleme bei der Verifizierung von Akten des Persönlichen Stabs allenfalls noch bei der Heranziehung älterer Literatur auftreten. Schließlich sei daran erinnert, daß der U.S.-amerikanische Mikrofilmbestand "Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei" weder inhaltlich noch von der Ordnung her noch mit dem heutigen Bundesarchiv-Bestand NS 19 identisch ist. Die nach EAP-Nummern ausgerichtete, und in den Guides 32 und 33 publizierte Erschließung ist grundsätzlich nur für den amerikanischen Mikrofilm-Bestand anwendbar, nicht aber auf die Neuverzeichnung und Neuordnung des Bundesarchivs übertragbar. Für die Benutzung des Bestandes NS 19 ist demnach ausschließlich die nun vorliegende archivfachliche Erschließung des Bundesarchivs heranzuziehen. [3]

    Im Zuge der Veröffentlichung des Findmittels in Form eines Online-Findbuches und der damit einhergehenden Bereitstellung der Erschließungsinformationen der Archivalien via Internet, erfolgte im August 2007 eine Bestandsüberarbeitung. Dabei wurden neben der Redigierung einiger Klassifikationszuordnungen von Einzeltiteln auch eine Neuerschließung von ca. 170 bisher noch unerschlossener bzw. nur vorläufig verzeichneter Akteneinheiten vorgenommen. Ergänzungen fand die Gesamtüberlieferung vor allem durch Akten und Dossiers der Sammlung „NS-Archiv des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR“.

    Beigefügt wurden ebenfalls mehrere Archivalien aus der Sammlung des ehemaligen Berlin Document Centers. Darunter sind speziell zu nennen die Reproduktionen der "Collection Himmler" mit persönlichen Unterlagen des Reichsführers-SS Heinrich Himmler sowie Redesammlungen und Aufzeichnungen dienstlicher und privater Provenienz.

    Weiterhin fanden ausgewählte Schriftstücke aus deutschen Akten, die durch die National Archives and Records Administration (NARA) in Washington verwahrt werden, ihren Eingang in den Gesamtbestand. Zwar in Form von Fotokopien vorliegend, geben sie dabei neben privatdienstlichen Belangen Schriftgut Heinrich Himmlers auch Auskunft über die interne SS-Aufgabenverwaltung, Polizeigerichtsbarkeit sowie Zustandsberichte über Arbeitskrafteinsätze im Generalgouvernement.
    _________________________
    [1] Vgl. Josef Henke , Quellenschicksale und Quellenbewertung. Archivische Überlieferungsbildung zur Verfolgung der Sinti und Roma im Dritten Reich, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 41 (1993), S. 61-67.
    [2] Henke (oben Anm. 54), S. 595; dort die vom Staatssekretär im Auswärtigen Amt Hallstein mit Schreiben vom 14.3.1956 dem U.S.-Botschafter Conant gegebene Versicherung, daß die Bundesregierung "die zurückgegebenen Akten in archivarisch ordnungsgemäßer Weise aufbewahren und in- und ausländischen Gelehrten jederzeit Einsicht in die Akten gewähren wird."
    [3] Dazu auch Henke (oben Anm. 54), S. 599.


    5. Quellenwert und Überlieferungsschwerpunkte

    Die Überlieferung reicht in die Zeit bis 1925 zurück und bis in den Monat April 1945 hinein. Der Aufgabe des Persönlichen Stabes als "zentrale Befehlsstelle" Himmlers entsprechend dokumentiert der Bestand sowohl Angelegenheiten, die an Himmler zur Unterrichtung bzw. Entscheidung herangetragen wurden, als auch Vorgänge, die ex officio entstanden: Weisungen und Ideen Himmlers wurden weitergegeben mit der Auflage, sie auszuführen oder auf Realisierbarkeit hin zu prüfen [1]. In Akten und Einzelschriftstücken spiegeln sich nahezu alle Aufgabengebiete und Interessenbereiche Himmlers. Während sich die Aufgabenbereiche als Reichsminister des Innern und die kurzen Phasen der Funktionen als Oberbefehlshaber des Ersatzheeres und zweier Heeresgruppen in nur geringem Maße belegt finden, sind die Positionen als Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei und als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums in beachtenswertem Umfang dokumentiert; Volkstums- und Umsiedlungsangelegenheiten sind kaum weniger dicht belegt als Aufgaben und Tätigkeiten der Höheren SS- und Polizeiführer in den eingegliederten und besetzten Gebieten.

    Eine Beschreibung der Vielfalt an Informationen, die dieser Bestand vermittelt, ist über die Charakterisierung als Produkt einer Kanzlei Himmlers, die neben den Fachressorts eine besondere Rolle spielte, und die Aufzählung der Kompetenzen hinaus kaum möglich. Die Bandbreite der Informationen umfaßt die Geschichte der Allgemeinen und der Waffen-SS, der Konzentrationslager und der Totenkopfverbände, kulturelle und weltanschauliche Angelegenheiten, Volkstums- und Siedlungspolitik, Himmlers gesundheits- und bevölkerungspolitische Vorstellungen, Wirtschafts- und Landwirtschaftsangelegenheiten, insbesondere auch Himmlers Pläne im Bereich der Pflanzenzucht, die Bedeutung, die er Wünschelrutengängern bei der Auffindung von Wasseradern und Bodenschätzen zumaß, die Politik und Maßnahmen der SS in den annektierten Gebieten, die Verfolgung und Vernichtung der Juden und anderer rassischer und politischer Gegner und Bevölkerungsgruppen, schließlich die Organisation und den Einsatz der Waffen-SS im Krieg. Unter den besonders augenfälligen Dokumenten kann eine Sammlung handschriftlicher Notizen Himmlers zu Vorträgen bei Hitler [2] sowie eine Sammlung von Reden und Redenotizen aus den Jahren 1925-1945 genannt werden [3]. Die Einschränkung, daß insbesondere für die Zeit ab 1939 eine Fülle von Unterlagen - wiederum der Funktion des Persönlichen Stabes entsprechend - nur punktuell informieren, so z.B. über die Landung der Alliierten in Nordafrika, über Widerstandsbewegungen usw., vermag den Dokumentationswert der Überlieferung nicht in Frage stellen. Daß Kompetenzstreitigkeiten zwischen der Vielzahl von SS- und Polizeidienststellen, die vom Persönlichen Stab zu schlichten waren, besonders oft in den Vorgängen sichtbar werden, hat freilich zur Überschätzung der Konflikte innerhalb der SS geführt, die der älteren Vorstellung von der "monolithischen Organisation" entgegengestellt wurde [4].

    Um die Realität des SS-Staates zu erfassen, bietet der Persönliche Stab mit seinen vielen tausend Dokumenten zweifellos die zentrale Überlieferung. Sie finden ihre natürliche Ergänzung in den Akten der bereits mehrfach erwähnten übrigen Hauptämter der Reichsführung-SS (NS 31, NS 33, NS 34, NS 7, NS 3, NS 2, NS 48), des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums (R 49), der Volksdeutschen Mittelstelle (R 59) und von Institutionen, die als "Ämter" im Persönlichen Stab verankert waren, insbesondere des "Ahnenerbes" (NS 21) und des Amtes "Lebensborn" [5]. Von erheblicher Bedeutung in diesem Zusammenhang sind auch die Überlieferungen des Reichssicherheitshauptamtes (R 58) und des Hauptamtes Ordnungspolizei (R 19), aber auch von Polizeidienststellen in den besetzten Gebieten (R 70). Ergänzend sind staatliche Akten insbesondere der Reichskanzlei (R 43), des Reichsjustiz- (R 3001) und des Reichsfinanzministeriums (R 2) heranzuziehen. Sie bestätigen das aus den Unterlagen von Himmlers Persönlichem Stab zu gewinnende Bild: daß "die in der Zwischenzone zwischen Partei und Staat etablierten sekundären bürokratischen Apparate ... der ziellosen und widersprüchlichen verbrecherischen Dynamik, die das Regime freisetzte, ... den Charakter bürokratisch gesteuerter Planmäßigkeit" gaben [6].

    Der Bestand des Persönlichen Stabs Reichsführer-SS gehört zu jenen deutschen zeitgeschichtlichen Quelle, deren Existenz seit Kriegsende bekannt war, die seit langem frei zugänglich und seit Jahrzehnten laufend und intensiv für die wissenschaftliche Forschung ausgewertet worden sind. Spektakuläre Neuentdeckungen, die nach Öffnung der Archive in der ehemaligen DDR und in Osteuropa an der Tagesordnung waren und heute von der historischen Forschung gleichsam abgefordert werden, sind heute in NS 19 zweifellos weniger zu erwarten. Die quantitative Fülle wie auch der hohe Quellenwert der Archivalien jedoch rechtfertigen die sichere Erwartung, daß die Akten auch künftig für überkommene, deswegen zumeist aber nicht überholte und für neue Fragestellungen der Geschichtswissenschaft immer wieder mit Gewinn herangezogen werden. Nicht nur überraschende Neuentdeckungen in Einzelfällen [7], vor allem die durchweg hohe Qualität der im Bestand enthaltenen Quellenbasis für Themen der sich weiter entwickelnden historischen Forschung zu nahezu allen Aspekten des NS-Regimes, dessen Verstehen und Analyse eine gleichbleibend große historisch-wissenschaftliche wie auch politische und moralische Herausforderung der Gegenwart bleiben, verleihen diesen Archivalien ihren außergewöhnlichen und bleibenden Wert.
    _________________________
    [1] Eine Vorstellung von der Vielfalt der Überlieferung vermittelt die Publikation - häufig unter dem Aspekt des Skurrilen und Absurden - ausgewählter Dokumente: Reichsführer!... Briefe an und von Himmler, hrsg. von Helmut Heiber , Stuttgart 1968.
    [2] NS 19/1447 und 1448.
    [3] Siehe unten Abschnitt B.1.9, insbes. NS 19/4002 bis 4018. - Vgl. auch Heinrich Himmler, Geheimreden 1933 bis 1945 und andere Ansprachen, hrsg. von Bradley F. Smith und Agnes F. Peterson , Frankfurt 1974. Die im Verzeichnis der Reden Himmlers, S. 268-277, als unvollständig bezeichneten Reden anläßlich der SS-Gruppenführer-Besprechungen am 8.11.1936 in Dachau und am 18.2.1937 in Tölz liegen im Bundesarchiv nach Ermittlung der stenographischen Aufzeichnungen und Anfertigung maschinenschriftlicher Übertragungen jetzt in vollständiger Überlieferung vor (NS 19/4003 u. 4004)
    [4] So vor allem von Heinz H ö hne , Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS, Hamburg 1966, der den Bestand - leider allerdings in Form der amerikanischen Mikrofilme und ihrer EAP-Signaturen - weitgehend benutzt hat, in Auseinandersetzung mit Eugen Kogon , Der SS-Staat, Frankfurt 1946. Auf eine Auflistung der derzeit vorliegenden allgemeinen Literatur zu Himmler, zur Geschichte der SS und deren Rolle im nationalsozialistischen Herrschaftssystem, wird hier verzichtet.
    [5] Überlieferungssplitter in NS 48/28-32; Restakten, insbesondere zu Einzelfällen der Tätigkeit des "Lebensborn", werden beim Internationalen Suchdienst, Arolsen/Waldeck, verwahrt.
    [6] Hans Mommsen , Der Nationalsozialismus, in: Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 16, Mannheim 1976, S. 790.
    [7] Vgl. z.B. Lucien Steinberg , Un Document essentiel qui situe les dèbuts de la "Solution Finale de la Question Juive", Paris 1992. Es handelt sich um Aufzeichnungen Eichmanns (Leiter des Referats IV B 4 im Reichssicherheitshauptamt) für Himmler, in denen Eichmann Ende 1940 von 5,8 Millionen Juden spricht, die als "Objekte" der "Endlösung der Judenfrage" infrage kämen (NS 19/3979).


    Bibliographische Hinweise

    Boberach, Heinz , Die schriftliche Überlieferung der Behörden des Deutschen Reiches 1871-1945. Sicherung, Rückführung, Ersatzdokumentation. In: Aus der Arbeit des Bundesarchivs. Beiträge zum Archivwesen, zur Quellenkunde und Zeitgeschichte. Boppard 1989, S. 50-61.

    Ders., Inventar archivalischer Quellen des NS-Staates. Die Überlieferung von Behörden und Einrichtungen des Reichs, der Länder und der NSDAP. Teil 1, München (u.a.) 1991, S. 114-116.

    Buchheim, Hans , Die SS - Das Herrschaftsinstrument. Befehl und Gehorsam (Anatomie des SS-Staates, Bd. 1). Olten und Freiburg i. Br. 1967.

    Granier, G., Henke, J., Oldenhage, K., Das Bundesarchiv und seine Bestände. Boppard 1977, S. 41 ff., 51 u. 53.

    Henke, Josef, Das Schicksal deutscher zeitgeschichtlicher Quellen in Kriegs- und Nachkriegszeit. Beschlagnahme-Rückführung-Verbleib. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 30 (1982), S. 557-617.

    R ü rup, Reinhard, Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt auf dem "Prinz-Albrecht-Gelände". Eine Dokumentation. Berlin 2007.

    Wolfe, Robert, The Holdings of the Berlin Document Center. A Guide to the Collections. Unveröffentlichtes Manuskript (Berlin) 1994, S. 13-22.


    Bestandsverweise:

    NS 2

    Rasse- und Siedlungshauptamt SS
    NS 3

    SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt
    NS 7

    SS- und Polizeigerichtsbarkeit
    NS 21

    Lehr- und Forschungsgemeinschaft "Das Ahnenerbe"
    NS 31

    SS-Hauptamt
    NS 32 II

    SS-Herlferinnenschule Oberehnheim
    NS 33

    SS-Führungshauptamt
    NS 34

    SS-Personalhauptamt
    N 1126

    Nachlass Himmler
    NS 48

    Sonstige zentrale Dienststellen und Einrichtungen der SS
    R 58

    Reichssicherheitshauptamt
    damit, basta.

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